Gemeinschaft zur Förderung des missionarischen Werkes von Bruder Johannes Baptista Stiehle CSsR. e.V.   © 2006ff

Das Leben des Redemptoristenbruders Johannes Stiehle, dargestellt nach seinen Briefen

Transportwerkzeuge mußte Bruder Johannes für den Kathedralenbau aus Europa kommen lassen - Fertigstellung dauerte Jahrzehnte

Eine der Sakralbauten, an denen J. Stiehle mitwirkte, ist heute Rumpelkammer

Ein Brief aus Dächingen nach Cuenca: "... so rüsten sie weiter bis aufs unerträglichste"

Von Bruder Johannes geplant: die Wallfahrtskirche Biblian

Kleiner Exkurs zum Problem der Gerechtigkeit bei geschichtlichen Wertungen

 

Die teilweise Zitierung und Kommentierung der auf uns Heutige überkommenen Briefe von Bruder Johannes Stiehle wäre nicht möglich gewesen ohne die hingebungsvolle Sammel- und insbesondere Entzifferungsarbeit von Franz Holzmann, Bürgermeister von Dächingen, zweiter Kirchengemeinderatsvorsitzender, Vorsitzender des Musikvereins, Wagnermeister und Technischer Lehrer an der Ehinger Berufsschule. Für diese Arbeit gebührt ihm, dazuhin einem "Unstudierten", die höchste Anerkennung und der Dank zumindest seiner Dächinger Mitbürger. Für die Aufbereitung des von Holzmann zur Verfügung gestellten Textmaterials und die Kommentierung ist allein der Verfasser des hier wiedergegebenen Gesamttextes verantwortlich. Veit Feger

Die erste Veröffentlichung über Bruder Johannes

Das Titelblatt einer 1899 in Ehingen in der Firma Feger gedruckten Schrift, die der Mitbruder Stiehles in Südamerika, Redemptoristenpater Kaiser, verfaßte, kurz nach dem Tode Stiehles im Jahre 1899. Diese Schrift war bis vor einigen Wochen die einzige Quelle unserer Kenntnis von den hervorragenden architektonischen Leistungen des aus Dächingen stammenden Ordensbruders. Die Schrift war in Latein verfaßt und wurde von einem Altsteußlinger Studenten ins Deutsche übersetzt. Kaisers Biografie ist an der traditionellen Heiligenleben-Literatur der katholischen Kirche orientiert; ausführlich wird der heiligmäßige Lebenswandel Stiehles geschildert, auch an einer Reihe Anekdoten; der Aspekt, der uns in der hier vorliegenden Veröffentlichung besonders interessierte, ist für Stiehle nur ein Aspekt der Person J. B. Stiehles und wohl nicht einmal der wichtigste. Adressat der Schrift Kaisers war ein Bruder des Verstorbenen in Dächingen. - Kaiser war einer der ersten Redemptoristen, die nach Cuenca kamen und kannte deshalb J. B. Stiehle über einen Zeitraum von über 25 Jahren hinweg.

Das Leben des Redemptoristenbruders Johannes Stiehle, dargestellt nach seinen Briefen

Ein Sohn der Gemeinde Dächingen, Johannes Stiehle, erwies sich im letzten Jahrhundert in der ecuadorischen Stadt Cuenca als her- vorragender Konstrukteur, Architekt, bildender Künstler, Bauleiter. Etwa seine letzten zehn Lebensjahre leitete er den Rohbau der dortigen Kathedrale (zahlreiche weitere Kirchen- und Profanbauten gingen voraus und nebenher). Die SZ Ehingen stellte einiges aus der Arbeit Stiehles, soweit es zum damaligen Zeitpunkt bekannt war, in einem großen Zeitungstext am 29. November 1984 dar. Die Reise des Dächinger Ortsvorstehers Franz Holzmann und der Briefwechsel der SZ-Redaktion mit mehreren Ordenshistorikern der Redemptoristen, u. dem Generalarchivar des Ordens in Rom, brachten weitere Erkenntnisse zutage, die am 24. Januar 1985 veröffentlicht wurden. Die beiden Veröffentlichungen am 29.11.1984 und vom 24.1.1985 in der Schwäbischen Zeitung Ehingen zeitigten etwas ganz Unerwartetes: der in Süddeutschland und darüber hinaus verbreitete Verwandtenkreis des 1899 verstorbenen Ordensbruders stellte über vierzig Briefe zur Verfügung, die - auf hauchdünnem Papier in fast mikroskopisch kleiner Schrift geschrieben - aus Pietät gegenüber dem vor jetzt bald 90 Jahren verstorbenen Mann aufbewahrt worden waren. Die Briefe erstrecken sich über einen Zeitraum von beinah fünfzig Jahren, von Anfang der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts bis kurz vor dem Tode von Bruder Johannes. Wir erfahren aus den Briefen ein wenig über die Bauten von Bruder Johannes, die aber in ihrer Vollständigkeit noch immer nicht erforscht sind (inzwischen sind durch den Briefwechsel auch Sakral- und Profanbauten aus der Planung Stiehles aus den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Frankreich bekannt geworden); wir lesen Interessantes über Stiehles architektonische und bautechnische Arbeit und erfahren aus den Briefen auch einiges über die Zeitumstände in Frankreich und Ecuador in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Notizen zur Tätigkeit des Ordensbruders und zu seiner politischen, sozialen, ökonomischen Umgebung machen freilich nur einen verhältnismäßig kleinen Teil der Briefe Stiehles aus, die bis auf einen einzigen alle an seine Eltern oder Geschwister in Dächingen und Ehingen gerichtet sind. Die Text-Gesamtmenge, die uns durch die Angehörigen des Ordensmannes überliefert wurde, beträgt über hundert Schreibmaschinenseiten Text (ein Teil der Briefe ging verloren); aber nur ein kleiner Teil befaßt sich mit Themen, die den Verfasser dieser Zeilen interessieren und etwas über die Arbeit und das Umfeld Stiehles erkennen lassen. Der weit größere Teil der Briefe besteht aus religiösen Darlegungen und aus religiösen Bitten und Ermahnungen an die Eltern und Geschwister, deren Seelenheil Bruder Johannes am Herzen lag. Für den heutigen Leser wiederholen sich die Briefinhalte stellenweise stereotyp - ein freilich nicht ganz richtiger Eindruck, weil wir heute in Minutenabständen Briefe lesen, die zu Lebzeiten des Schreibers und der Adressaten in Abständen von je einem Jahr entstanden sind. Der Redemptoristenbruder entschuldigt sich jedesmal, wenn er sich in seinen Briefen mit so weltlichen Dingen wie der Entwicklung der Feldfrüchte, Naturkatastrophen, Regierungswechsel, baulichen Problemen etc. befaßt; man gewinnt den Eindruck, er streue solches in seine Briefe nur ein, um sie etwas unterhältlicher zu machen und um eine möglicherweise eben doch existierende Neugier zu befriedigen, Neugier aber ist eine fast, schon sündhafte Einstellung für einen Mann, dessen immer wieder erklärtes oberstes Lebensprinzip die Bemühung um das ewige Seelenheil ist, Befassung mit weltlichen Dingen lenkt von dem einzig Wichtigen eher ab.

Nur ein einziger Brief, der auf uns überkommen ist, stammt nicht aus dem Verwandtenkreis Stiehles, sondern aus dem zentralen Ordensarchiv der Redemptoristen in Rom. Er ist der einzige Brief, der keine religiösen Ermahnungen enthält; aber auch er befaßt sich mit einem "religiösen" Thema, mit sakraler Kunst. Der Brief ist an einen künstlerisch interessierten Mitarbeiter des Ordensgenerals in Rom gerichtet; Johannes Stiehle fragt in einem Kunststil-Problem um Rat; der Brief wurde im Ordensarchiv in Rom aufbewahrt und von Pater Sampers, Professor an der Lateranuniversität, der Schwäbischen Zeitung Ehingen freundlicherweise in Kopie zur Verfügung gestellt.

Im folgenden Beitrag werden wir vor allem das, was nicht religiösen lnhalts ist, aus den Briefen Stiehles herausziehen. In gewissem Sinn tun wir ihm damit Unrecht; wir bügeln seine schriftliche Hinterlassenschaft gewissermaßen gegen den Strich. Aber das ist ein Schicksal, das in der Weltgeschichte schon häufig jemand erleiden mußte. Für den Heimatgeschichtsfreund sind nun einmal die nicht religiösen Aussagen Stiehles wesentlich individueller, mit einem höheren Seltenheitswert als seine religiösen. Letztere können wir stereotyp in jedem Erbauungsbuch des 19. Jahrhunderts nachlesen; diese Denkart, diese Empfindungsart, dieser Stil waren in katholischen Gegenden bis in die fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts fast selbstverständlich.

Die Religiosität, die aus den Briefen Stiehles spricht, ist dem Schreiber dieses Textes eingestandenermaßen sehr fremd: Immer wieder wird die Suche nach dem eigenen Seelenheil als die wichtigste Aufgabe des Menschen in seinem irdischen Leben dargestellt. Inzwischen hat sich der religiöse Stil in der katholischen Kirche sehr geändert; heute wird nicht mehr das eigene Seelenheil als oberster Wert genannt, sondern die Aufrichtung des Reiches Gottes oder das Seelenheil der Gemeinde. Wenn der Bruder Johannes nicht so viel gearbeitet hätte, wäre man aufgrund seiner Sätze versucht, ihn für einen spirituellen Egoisten zu halten, aber die Bitte an die Geschwister, an ihr eigenes Seelenheil zu denken, damit sie nach dem Tod nicht in der Hölle braten müssen, seine ständige Versicherung, daß er für ihr Seelenheil bete, steht dem entgegen. Ein heutiger Leser seiner Briefe mag sich wundern, wie jemand, der so beständig von Beten, von innerer Umkehr, von Sammlung auf das Wesentliche predigt, beruflich so erstaunlich viel leistete.

Nicht nur, was den religiösen "Stil" angeht, ist Stiehle ein Kind seiner Zeit, auch was seine künstlerischen und sonstigen Ansichten angeht; davon wird noch zu sprechen sein. Die Entzifferung der Briefe war ein "Kapitel für sich". Franz Holzmann hat sich in vielen Nachtstunden diese Mühe gemacht, zu der die meisten Heutigen schon deshalb nicht imstande wären, weil sie die Deutsche Schrift, in der die Briefe geschrieben sind, nicht mehr entziffern könnten. Das Sammeln und Entziffern der Briefe war die Voraussetzung für die hier vorliegende Veröffentlichung.

Der erste Brief, den wir von der Hand Johannes Stiehles erhalten haben, datiert vom 26. Oktober 1850. Es ist ein Abschiedsbrief an die Eltern, in holprigen Versen. Ab 1851 kommen dann die Briefe für die nächsten zwanzig Jahre zumeist aus dem französischen Ort Teterchen, in Lothringen, nahe der Grenze zum Saarland gelegen.

".. ein Pfarrdorf wie Öpfingen"

In den ersten Briefen, die wir aus Teterchen haben, schildert Bruder Johannes den Eltern den Ort und seine Umgebung "am Modell" der heimatlichen Umgebung, etwa "St. Nicolas du Port" (wo er einen Teil des Noviziats verbrachte) "ist eine Stadt wie Munderkingen ... an einem Fluß, der nicht ganz so groß wie die Donau bei Untermarchtal ist ... Sarluis ist eine kleine Stadt in Deutsch-Preisen, in welcher wir dies Jahr eine bewunderswürdige Mission gehaben haben, worüber der Erfolg besser ist als bei der Mission in Ehingen war. Teterchen ist ein Pfarrdorf ungefähr wie Öpfingen, hat viele fruchtbare und sehr schwere Felder, so daß man vier bis fünf Pferde in einen Pflug spannt..."

Immer wieder schreibt Stiehle jetzt und in den folgenden Briefen, daß das Klosterleben für ihn etwas ganz Wunderbares sei; die Meinung in der Öffentlichkeit muß sehr anders gewesen sein; die öffentliche Meinung wird jedenfalls immer wieder von ihm kritisiert; für ihn ist das Kloster der denkbar schönste Ort der Welt, wo er den "Zweck unseres Lebens, . . . vor allem unsere eigene Heiligung", am besten verfolgen kann.

Johannes ist in der französischen Ordensprovinz nicht allein, so kennt er einen Redemptoristen, der aus Lauterach stammt, ein weiterer Pater war vor dem Vikar in Kirchbierlingen, ein Laupheimer ist als Schuhmacher Ordensbruder; auch ein Ordensmitglied aus der Gegend von Rottweil und einer aus Biberach sind ihm bekannt. Positiv: die Patres dünken sich nicht besser als die Brüder; es gebe keinerlei Unterschiede in der "Nahrung" (das scheint wohl nicht überall so zu sein). Wie das Seelenheil zu erwerben ist, darüber gibt er genaue Vorschriften: "Jeden Mittwoch, Freitag und Sonntag gehen wir zur Heiligen Kommunion, dies geschieht auch noch an anderen Tagen, wenn es uns erlaubt ist."

Im folgenden Jahr hören wir aus Teterchen, daß die Ernte katastrophal ausfiel; Überschwemmungen und Pflanzenkrankheiten waren die Ursache. Dann: "Wir haben in diesem Sommer in unserem Kloster eine neue Kirche gebaut, die noch etwas größer ist als die Kirche in Frankenhofen."

Im folgenden Jahre 1853 lesen wir in einem Brief, daß es unter den Geschwistern Streit wegen des Erbes (der noch nicht verstorbenen) Eltern gab. Johannes, damals etwa Mitte 20, verfügt daß sein Anteil den Eltern rücküberschrieben wird: "Sie sollen noch in ihren alten Tagen ein gutes Glas Wein trinken können." (5. 12. 1853 an den Bruder Anton).

1854 berichtet Johannes von einer "Kolera"- Epidemie nach Hause, die Tausende von Menschenleben forderte. Ein französischer Bischof nenne diese Zeit aber eine "Zeit der Ärnet (hochdeutsch: Ernte), eine Ärnet der Heiligen, und zwar mit Recht, denn viele Sünder, die schon mehrere Jahre nicht mehr gebeichtet haben, gingen in sich (Anmerkung: daß solche nur angstbedingten Bekehrungen meist nicht auf Dauer halten, scheint BruderJohannes nicht zu stören).

Laster am höchsten Punkt

1858 vermittelt uns Johannes eine Empfindung, die zu allen Zeiten typisch für Religiöse ist (und überhaupt für alle Moralisten): die jetzige Zeit ist die schlimmste, die Sündigkeit ist jetzt die größte - "wir leben jetzt in einer Zeit, wo meiner Ansicht nach, das Laster den höchsten Punkt erreicht hat, denn jetzt kann man in der Welt kein Aug mehr aufschlagen, ohne nicht die größten Ärgernisse und Schandthaten zu sehen, man kann fast keinen Menschen mehr anhören, ohne daß nicht Gott oder die Nächstenliebe oder die Schamhaftigkeit darunter zu leiden hätte; fast der größte Teil der Menschen fürchtet sich nicht mehr vor der Todsünde."

Freunde in der Heimat

In einem Brief von 1859 erinnert sich Johannes vieler Verwandter und Freunde und bittet, sie alle zu grüßen, "meine Verwandten in Altsteußlingen, Munderkingen, Untermarchtal und Thalen" (Talheim?), "Farnilie Ege in Munderkingen, Familie Hamberger in Altsteußlingen, Familie Grab (Schmids) in Altsteußlingen", "mein Freund Matthias Rehm in Altbierlingen" (an ihn erinnert sich Johannes mit herzlicher, geradezu rührender Verbundenheit über Jahrzehnte der physischen Trennung hinweg bis in seine letzten Lebensjahre). Weiter genannt wird von Bruder Johannes die "Ehrwürdige Elise Neuer in Altbierlingen. Stiehle übermittelt auch einen Gruß von seinem Ordensbruder Johan Baptist Haupt an dessen Schwester Ottilie Haupt in Ehingen (aus Portokosten-Gründen wurde der Gruß miteingeschlossen).

Wunderbare Rettung

1860 schildert uns Johannes eine Geschichte, die für ihn ein Wunder und ein Zeichen seiner Erwählung war. Johannes mußte in den größeren Nachbarort Boulay (deutsche Schreibweise damals auch Bolchen) zur Apotheke gehen und konnte erst nachts zurückkehren. Ein Wolf begegnet ihm. Er habe zunächst sehr Angst gehabt, dann aber auf Gott vertrauend seinen ganzen Mut zusammengenommen und sei dem Wolf entgegengegangen. Er verteidigte sich mit seinem Stock, "bis er mich endlich ganz unbeschädigt wieder verlies. Freilich", so fährt Johannes nicht ohne Humor fort, "hätte er zwar an mir nicht viel gefunden, denn obschon ich immer ganz gut gesund bin, so bin ich doch auch immer ganz mager." (Eine Selbstbeschreibung, die wir auch durch eine Fotografie aus dieser Zeit, in Saarlouis angefertigt, und durch ein späteres Ölbild bestätigt finden).

Am 4. Januar 1895 erinnert sich Bruder Johannes in einem Brief nach Europa an ein schon Jahrzehnte zurückliegendes Ereignis: "was ich als offenbares Wunder ansehen muß": in Teterchen stürzte über seinem Haupte ein großes Gartenhaus zusammen "und die Balken des Daches stellten sich auf solche Weise um mich auf, daß sie förmlich eine kleine Zelte bildeten, in welcher ich stehen konnte, und mich auf solche Weise umgaben, daß kein Stein noch Ziegel mich berührte und ich ganz unverletzt aus dem Schutte herausgearbeitet wurde. Ebenso auch, als ich einmal in unserer Klosterkirche von einer ungemeinen Höhe auf das Steinpflaster herabstürzte, ohne auch nur den geringsten Schmerz zu fühlen, so daß ich selbst aufstehen und wieder die selbe Höhe besteigen konnte."

Sündiges Frankreich

Im oben schon zitierten Brief von 1860 schildert Johannes eindringlich die sittlichen und religiösen Zustände in Frankreich seiner Zeit:

"Ich wüßte unter den heutigen katholischen Ländern keines zu nennen, das so tief wie Frankreich im Glauben gesunken ist ... Denn hier findet man nur Unglauben, Hoffahrt und Unsittlichkeit und viele andere Laster, die ich nicht nennen will. Lothringen und Elsaß ausgenommen wird fast in ganz Frankreich der Sonntag nicht mehr gehalten, des Freitags Fleisch gegessen, selten noch die Heiligen Sakramente empfangen. Und selbst in Metz (Hauptstadt in Lothringen), eine der frömmsten Städte in Frankreich, ungeachtet der vielen Bruderschaften, die diese Stadt hat, bewundert man noch wenn der dritte Teil der Bürger auf Ostern noch zur Kommunion geht ... Vor ungefähr zwei Jahren fingen wir ein neues Kloster an in Maux, eine Stadt 10 Stunden von Paris am Wege nach Straßburg, und weil es in dieser großen Stadt und der ganzen Umgebung Gebrauch ist, daß niemand in die Kirche geht, so waren unsere Patres genötiget, zu den Leuten in die Häuser zu gehen um sie gleichsam zu nöthigen, in die Kirche zu kommen ... Weder die Pracht der Kirche, noch die schönen Predigten, noch die großen Feierlichkeiten sind im Stande, sie zur Kirche zu bewegen ... Und wenn es unseren Patres gelingt, einige in die Kirche zu bringen, so verstehen sie nicht, was man predigt ... In einer großen Pfarrei, wo einer unserer Patres war, begehrten in einer Zeit von 16 Jahren nur drei Personen die Heiligen Sterbesakramente ... (Bevor Redemptoristen nach Maux kamen, habe nicht ein einziger Mensch an Ostern kommuniziert). "Sie sind in der Unwissenheit und Verstocktheit ärger als die Heiden ... Sie haben große Kirchen, welche von außen, schöne gottische Gebäude, innwendig aber oft gänzlich zerfallen, aber reich an Schmutz sind, selbst so, daß auf den Beichtstühlen Gras gewachsen ist und sie oft keinen Fußboden mehr haben. O Katholisches Frankreich, da du dich rühmst wegen deiner Religion, wenn in dir noch einer von so vielen tausenden etwas tut, das den Schein der Religion hat, so läßt er es in alte Zeitungen drucken, damit jedermann weiß, was großes er getan hat."

Diese eindrückliche Schilderung Stiehles, insbesondere, was die Pflege der Kirchen angeht, finden wir durch die Gegenwart bestätigt, wenn wir den heute verfallenen Zustand der von Stiehle miterbauten Teterchener Klosterkapelle betrachten.

An der Jahreswende 1864/65 erfährt Bruder Johannes vom Tod des Vaters. Soweit er noch etwas zu erben hat, vermacht er es seiner Nichte, die den Vater pflegte, und für das Lesen von Heiligen Messen. "Hier in unserem Kloster wird, wie dieses auch bei unserer Mutter geschehen ist, während acht Tagen alle Gebete, Abtötungen, Kommunionen, Arbeiten und Beschäftigungen von unserer so zahlreichen Gemeinde, welche nahezu 80 sind, für unseren verstorbenen Vater aufgeopfert".

Welche Bedeutung der Redemptoristenorden der beruflichen Ausbildung seiner neuen Mitglieder beimaß, geht aus einem Brief vom 24. Oktober 1867 an einen seiner Brüder hervor: "ich habe auch mit unserem hochwürdigen Pater Provinzial über die Aufnahme von Clemens Stiehle, Sohn unseres Bruders Martin, gesprochen und von ihm die Antwort erhalten, daß sein Vater ihm noch das Schreinerhandwerk lernen soll, und wenn er dann einmal ein wenig arbeiten könne und die erforderlichen Kräfte haben werde, um auf der Schreinerei zu arbeiten, wolle er ihn mit größter Freude aufnehmen."

Romanisch oder gotisch, das ist egal

Aus dem Jahre 1868 haben wir den einzigen Brief Bruder Johannes', der nicht an Angehörige in Dächingen oder Ehingen gerichtet ist, sondern an Pater Lammens, Sekretär des General-Obern in Rom, vom dortigen Generalarchivar Sampers in Kopie freundlicherweise der Schwäbischen Zeitung Ehingen zur Verfügung gestellt. Johannes bittet um Entwürfe für Altäre in der "kleinen, aber sehr schönen Kapelle Maria von der Immerwährenden Hilfe" in Teterchen. In diesem Brief erfahren wir auch einmal beiläufig ein ästhetisches Prinzip, dem Stiehle folgen möchte: die vorhandene Skulptur in Eichenholz ist "ganz im romanischen Stile und darum muß auch nothwendigerweise dieser Altar im romanischen Stil sein". J. Stiehle, der, wie sich aus dem Brief schließen läßt, eine entscheidende Rolle bei der künstlerischen Ausstattung der Kapelle hatte, möchte kein Stil-Gemisch. Aber, wie es dem Kunst-Empfinden des 19. Jahrhunderts durchaus entspricht, kann man zwischen verschiedenen historischen Stilen quasi beliebig wählen, so als ob sie etwas ohne weiteres Reproduzierbares wären und nicht mit einer gewissen historischen Notwendigkeit entstanden; nur dann, wenn eine Stilwahl getroffen ist, ergibt sich ein ästhetischer Zwang zur stilistischen Folgerichtigkeit.

Beiläufig vermerkt Stiehle, er habe "jetzt im Ausstechen eine ziemliche Geläufigkeit erlangt", Lammens brauche daher bei den Entwürfen "nicht zu sparsam mit der Sculpture" sein. Daß sich Stiehle bei Kunstdingen gerne auf Vorbilder verläßt, geht aus dem folgenden Satz hervor: Lammens, brauche sich keine Sorgen um die Vielgestaltigkeit von Ornamenten zu machen: "ich bin mit Dessins von Chapitaux (d. h. Kapitellen, vf), Corniches (d. h. Kranzleisten), ausgestochenen Colonnen ganz reich, denn durch Zufall sind mir einmal drei große Hefte von den Dessins (Entwürfen) der Mastique-Fabrique von Straßburg in die Hände gefallen, wo ich nicht versäumt habe, mir von vielen den (!) Kopie zu nehmen."

Beiläufig erfahren wir hier auch, daß Stiehle nicht nur an der Kapelle des Klosters tätig war, sondern auch an der Kapelle für den Gottesacker, "und ich bin wirklich beschäftigt, um darin den Boden von Mosaique zu legen".

Johannes Stiehle fühlte sich seinen Geschwistern sehr verbunden, und so war die Trennung von ihnen für ihn schmerzlich; dies klingt immer wieder in seinen Briefen an; einer der schönsten Züge der erwarteten Himmelsseligkeit ist für ihn ein Wiedersehen mit seinen Eltern und Geschwistern und Freunden. Allenfalls noch einmal, nachdem er 1850 Dächingen verließ, sah er einige Angehörige wieder; ein Bruder besuchte ihn einmal in Teterchen; das war's für den Rest der fünfzig Jahre Ordenszugehörigkeit. Immerhin konnte er einmal auch, 1869/70, in Flavigny, einem Ort an der Mosel südlich Nancy, eine Nichte, die dort in ein Kloster eingetreten war, besuchen.

"Andenken" an den Siebzigerkrieg

Der Siebzigerkrieg führt dem Bruder Johannes neue Aufgaben zu. Die Franzosen machen das Kloster zu einem Lazarett. Johannes: "Ich hatte als dann", schreibt er am 31. Dezember 1871 in die Heimat, "wohl bei zwanzig Kranke zu versorgen", zusammen mit einem anderen Ordensbruder. Die Deutschen, die einige Zeit später das Kloster übernahmen, hatten die bessere Infrastruktur; sie hatten ihr eigenes Sanitätswesen, aber jetzt mußte Bruder Johannes, wie er schreibt, die deutschen Offiziere bedienen. "Nebst vielen traurigen Erinnerungen ließ uns der Krieg noch ein großes Andenken, nämlich die darauf folgenden Krankheiten. Hauptsächlich waren es die Ruhr, der Typhus und die Pockenkrankheit."

Am Klosterbau in Perouse/Belfort

Infolge des sogenannten Kulturkampfes wurden die Redemptoristenklöster in Elsaß/Lothringen, das wieder zum Deutschen Reich kam, aufgelöst. Deshalb wurde Stiehle, wie er am 6. Juli 1873 nach Hause schreibt, von seinen Ordensoberen nach Perouse bei Belfort geschickt, wo ihm der Bau und die Errichtung eines Klosters für die beiden anscheinend in Aufhebung befindlichen Klöster Mühlhausen und Landser anbefohlen wurde. "Dieser Bau", schreibt er aus Perouse, "macht mir sehr viel Arbeit, so daß mir noch kaum Zeit zum Denken bleibt... Ich werde jedoch nicht in Perouse bleiben, sondern nach Beendigung des Hauses etwa nach vier Wochen wieder in ein anderes Haus gehen, weil ich schon in mehreren Häusern verlangt worden bin".

Sogar für Protestanten war dieser Sündenpfuhl zu tief

Von dem Kloster der Redemptoristen in Mühlhausen schreibt Stiehle in einem undatierten Brief:

Unser Kloster hat, eine wunderschöne Lage, es liegt etwas außerhalb der Stadt, nahe beim Hauptbahnhof von Mühlhausen. Es war dies eine Bierbrauerei und zwar ein Haus, welches in Mühlhausen wohl den schlechtesten Namen gehabt haben mag. Daselbst wurde immer getanzt, Kommöden gespielt und dgl. Ja, in diesem Hause ging es derart zu, daß selbst Protestanten, welche noch einen guten Namen haben wollen, es nicht besuchen durften. Dieses Haus, dieser Pfuhl der Sünde und jeglichen Lasters, wurde im vergangenen Jahre für uns angekauft, und im Anfang dieses Jahres bezogen wir es, richteten es zu einem Kloster ein, und zwar in solcher Schnelligkeit, daß schon im Monat Januar das Wirtshaus zum Kloster gemacht und der Tanzsaal zur Kapelle feierlich eingesegnet wurde... Alles strömte herbei um sich von etwas Unglaublichem zu überzeugen. Sehr groß war die Freude der Gleichgesinnten, aber auch nicht weniger groß die Wuth der Gottlosen. Die ganze Hölle schien sich zu empören und freilich nicht ohne Grund, denn dieses war ja geradezu ihr Zufluchtsort, wo sie frei und ungehindert jedes Laster ausüben durfte und konnte..."

"Nicht einfach, sondern sehr schön"

Stiehle berichtet in der Folge, er habe sich an das "Ausstechen" einen dritten Altars für die Mühlhausener gemacht, "welcher nicht mehr einfach, sondern sehr schön ausgefallen ist". Die "Kapelle" mit ihren tausend Plätzen konnte bei der Einweihung an Maria Himmelfahrt nicht alle Gläubigen fassen.

Die 20 Jahre Frankreich sind zu Ende, die 25 Jahre Ecuador beginnen
Die nächsten Briefe datieren bereits aus Cuenca, der erste uns überkommene aus dem Jahre 1875, dann von 1877. Die religiösen Ermahnungen an die Verwandten in der alten Heimat haben an Umfang eher noch zugenommen. In einem der Briefe berichtet Stiehle, daß er für seine Arbeit eigentlich Riesenkräfte benötige, "allein ich bin hier vor der Zeit alt geworden... Und die Ermangelung meiner Kräfte, mein zahnloser Mund, mein schwaches Gesicht und eben so schwaches Gedächtnis lassen mich oft an die herannahende Ewigkeit denken". Bruder Johannes wird aber das Jahr 1877 noch um 22 Jahre überleben.

Beiläufig berichtet Stiehle, daß er zum Fest Marias von der Immerwährenden Hilfe, unterstützt von "frommen Leuten aus der Stadt, welche Tuch, Blumen und Spitzen herbeitrugen, einen großen gotischen Altar machte, welcher aber schon am zweiten Tag der Andacht, gegen Ende der Heiligen Messe, Feuer fing und bereits ganz abbrannte."

Nun hören wir auch etwas zur politischen Situation im Land, die sich wohl mit der heutigen in Südamerika parallelisieren läßt. "Das Volk hier ist so sehr leicht und geneigt, sich verführen zu lassen", von kirchenfeindlichen "Revolutionären". "Überall hört man nur. Hinweg mit dem Pfaffenwesen, aus dem Lande mit den Religiösen beiderlei Geschlechts!" Stiehle befürchtet sogar, daß sein Orden auch dieses Land verlassen muß und bittet, vorerst nicht mehr an ihn zu schreiben, weil ihn der Brief wohl nicht erreichen werde - eine Annahme, die sich dann als irrig erweist. Es scheint, daß damals in Ecuador eine für das 19. Jahrhundert typische liberalistische, laizistische Oberschichtgruppe die Herrschaft im Staat übernommen hatte. Daß die Revolutionen damals eine Angelegenheit verschiedener Fraktionen der Oberschicht war und daß - egal wer an die Regierung kam - die kleinen Leute nichts zu erwarten hatten, ist ein Gedankengang, der Bruder Johannes bei seinen Beobachtungen zur politischen Lage völlig fremd ist.

1877 vermerkt Bruder Johannes beiläufig eine wunderbare Genesung aus der "schwarzen Pockenkrankheit", die nach der ortsüblichen Auffassung unheilbar ist. Nach einem Gelübde an die Muttergottes verschwanden die Pocken und das damit verbundene hohe Fieber ruckartig. Ein weiteres Wunder, das sich an einer Frau in Cuenca ereignet, zitiert Bruder Johannes in einem Brief an seine Schwester Walburga Schlecker in Ehingen: eine Frau fällt vom Pferd und bricht den Schädel mehrfach; Ärzte sagen "hoffnungslos"; jemand klebt der Frau ein Bildchen der Frau von der Immerwährenden Hilfe auf den Kopf, "worauf sogleich eine solche wunderbare Besserung eintrat, daß die Ärzte erklären, daß die Heilung nur einem Wunder zugeschrieben werden kann."

Als Johannes 1884 vom Tod seiner Schwester erfährt, teilt er seinen Geschwistern mit, er spüre, daß sie schon im Himmel sei und "nicht noch ein langes und furchtbares Fegfeuer durchmachen muß", wie ihm das bei seiner Mutter der Fall zu sein scheint, "denn immer sehe ich sie an einem einsamen Ort, in der größten Verlassenheit die größten Peinen erdulden, ohne auch nur Hilfe von ihren eigenen Kindern erbitten zu können. O meine Geschwister, wenn ich ein Verlangen habe mit euch reden zu können, so wollte ich nichts anderes sagen als suchet Eure Seelen zu retten und dem furchtbaren Fegfeuer zu entgegehn oder es wenigstens abzukürzen soviel ihr könnt".

Der Teufel leibhaftig

Dann kommt eine Super-Story von den bösen Freimaurern und Atheisten in Paris, aus der erhellt, daß das Thema "Schwarze Messen" wohl gern von regulär Messelesenden beredet wurde. In einem langen Exkurs vom 12. Oktober 1889 schreibt Stiehle:

Wenn auch die geheime Gesellschaft in Paris behaupten will, daß sie an keinen Gott glauben, so sind sie nur zu sehr im Widerspruch mit sich selbst; denn recht gut glauben sie, daß es einen Teufel gibt, und daß Gott das größte Hindernis ist, um ihre Pläne zu erreichen". Stiehle erzählt dann in der Folge eine Geschichte, die er von einem Europareisenden gehört habe, eine Geschichte, die sich in Paris 1883 zugetragen haben soll. Eine Frau wurde Präsidentin der Freimaurer-Frauen. "Als solche hatte sie die innigste Verbindung mit dem Teufel und konnte ihn sichtbar sehen, wo und wann sie wollte und mit ihm verkehren nach Belieben". Als sie sich bekehren will, setzt ihr der Teufel zu: sie könne sich nicht mehr retten; sie werde von den Freimaurern ermordet.

"Nur mit Grauen kann man anhören, was diese Frau erzählte, was alles vorgehe in ihrer Versammlung. Bereits immer zeigte sich der Teufel sichtbar in ihren Versammlungen; über alles wird verhandelt und Dekrete gegeben. Aus ihrer Versammlung gingen die Dekrete aus, die Art und Weise, die Kirche zu verfolgen die Religion zu vertreiben, die Gesetze über Schule usw... Nicht selten befiehlt der Teufel der einen oder anderen, in eine Kirche kommunizieren zu gehen und am folgenden Abende die Hl. Hostie in die Versammlung zu bringen. Als dann befiehlt der Teufel der einen oder anderen, diese Hl. Hostie zu mißhandeln... Der Teufel lästerte die Hostie, dann befahl er einer Dame, daß sie mit einem Messer die Hl. Hostie durchsteche: die Dame nahm zwar das Messer in die Hand, fing aber an zu zittern und zu zögern. Der Teufel geriet alsdann in eine heftige Wut, da riß die Präsidentin der Dame das Messer aus der Hand und durchbohrte damit die Hl. Hostie, doch beteuerte sie, daß bei diesem Akte ihr ein heimliches Grauen durch Herz und Seele ging, und dies besonders, als sie wahrnahm, daß das Messer in der Hl. Hostie stecken blieb, wie wenn sie einen menschlichen Körper durchstochen hätte. Der Teufel ließ alsdann die erstere ihrer Feigheit wegen vor der ganzen Versammlung sehr mißhanden ..."

Im gleichen Brief berichtet Bruder Johannes auch, daß sich der Orden mächtig ausbreite; binnen eines Jahres seien jetzt neue Klöster gegründet worden in Buga/Kolumbien, Lima/Peru und in Buenos Aires/Argentinien; eines in Santiago/Chile besteht bereits. (Wie in unserem ersten SZ-Beitrag zum Thema Stiehle bereits notiert, entwarf Stiehle auch Kirchenbauten für Buga und eine chilenische Niederlassung in Cauquena).

"Von Gott bestimmt, eine so große und herrliche Kirche zu hauen"

Endlich haben wir auch einmal einen ausführlichen Text über die Baumeister- und Künstlere Tätigkeit von Johannes Stiehle, und er hat eine gute Meinung von seinem Können:

"Wir haben in diesem Jahr sehr viel an unserer neuen Kirche gearbeitet, an den beiden Seitenschiffen ist schon der Dachstuhl gesetzt, im Mittelschiffe ein Bogen gemacht, welcher 36 Pariser Fuß hoch ist. Diese Kirche wird nicht nur groß, sondern auch schön werden; besonders das Portal, so daß ich mit nicht erinnere, ein schöneres in Europa gesehen zu haben, und allgemein wird diese Kirche für ein Wunderwerk angesehen. Ich denke, daß wir sie wenigstens in drei Jahren zu Ende bringen werden. Es ist für mich gewiß ein großer Trost, von Gott bestimmt zu sein, eine so große und herrliche Kirche zu bauen, weiche ganz unserer lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe gewidmet ist ... Und welche Freude macht es mir, zu sehen, daß ihr Bildnis, welches ich vor einem Jahr gemacht und welches unter so großer Feierlichkeit in das Portal unserer neuen Kirche aufgestellt worden ist, bei den Leuten hier in Cuenca und in der ganzen Umgegend in so großer Verehrung ist.

Bereits Tag und Nacht brennen Lichter vor dem Gnadenbilde, und keinen Herrn, von welchem Range er auch sein mag, sieht man vor dem Bilde vorübergehen, ohne daß er den Hut abnähme und es in Ehrerbietung begrüßte. Nicht weniger tröstet es auch mich, die Gelegenheit zu haben, auch etwas zur Verehrung des Herzens Jesu machen zu können, denn auch diesem göttlichen Herzen habe ich den Trost hier in Cuenca, nämlich im Kloster der Schwestern des Heiligsten Herzens Jesu, eine neue schöne gotische Kirche zu bauen, welche jetzt eben vier Fuß hoch aus der Erde ist".

In einem Brief vorn 23. Dezember 1885 zeigt Bruder Johannes, daß er von jedem liberalistischen Verständnis für fremde Glaubenswelten frei ist. Er ereifert sich über die "abergläubischen Trink- und Teufelsfeste" der hiesigen Leute, sehr wahrscheinlich Relikte des früheren, durch das Christentum nur notdürftig überdeckten heidnischen Glaubens. Gleichzeitig wird von einem schlimmen Erdbeben berichtet, wohl dem ingenieurmäßigen Hauptproblem, mit dem sich Bruder Johannes als Architekt von Profan- wie Sakralbauten konfrontiert sah.

Unterschiedliche Entwicklung Stadt/Land, auch schon im 19. Jahrhundert

Am 8. November 1886 notiert Bruder Johannes ein Phänomen, das heute wiederum als besonders neue Entwicklung im Gefolge der Industrialisierung gesehen wird: die verschieden rasche Entwicklung agrarischer und nichtagrarischer Techniken, ein zunehmendes Auseinanderklaffen der ökonomischen Entwicklung zwischen Stadt und Land; Johannes schreibt:

"Cuenca ist seit meinem Hiersein sehr vorangekommen in der Bauart und verschiedenen Professionen, nur im Feldbau ist es immer noch im selben Zustand geblieben Wenn ich mehr Zeit hätte, so hätte ich Euch schon lange gebeten uns einige Pflüge, wenigstens das Eisen dazu zu schicken, weil das Holz hier selbst gemacht werden könnte. Aber weil ich sehe, daß ich niemals Zeit finden werde, die Indianer ackern zu lernen, und auch, weil das Schicken für Euch etwas schwer sein würde, so habe ich immer darauf verzichtet, ungeachtet dieses für das ganze Land hier eine unbeschreibliche Wohltat wäre".

Schlimmer Vulkanausbruch

Vermerkt wird auch der Ausbruch eines Vulkans in Ecuador, Tungurahua; der Auswurf soll zwei Provinzen mit Asche bedeckt haben und zwar "derart, daß Flüsse wochenlang keinen Ausgang fanden ... die ganze Umgebung von Cuenca war während zweier Monate in voller Finsternis und wir glaubten, der jüngste Tag komme."

Der erste Eckstein der neuen Kathedrale

Am 21. Dezember 1886 schreibt Bruder Johannes an seinen Bruder in der Heimat:

"Ich befinde mich nicht immer sehr gut in Cuenca, und habe den Trost, mit allen Leuten jeder Klasse und Standes gleich zu sein. Wir arbeiten stark an unserer neuen Kirche, welche jetzt unter Dach ist; der kleine Turm über dem Chore, welcher gegenwärtig fünf Glocken hat, ist ganz fertig. Die zwei großen Thürme in der Fassade sind erst so hoch wie die Kirche und werden wohl noch einige Jahre brauchen, bis sie fertig sind. Ich zähle, daß ich noch einige Jahre brauchen werde, bis nur das Innere der Kirche fertig sein wird. Unsere neue Kirche zeichnet sich aus durch ihre Schönheit und Höhe, sie steht so hoch über die Stadt hervor, daß man in der Ferne glaubt, sie fange erst oben auf den Häusern an und wird hier auf dem ganzen Equator als ein Wunderwerk angesehen Unsere neue Kathedrale in Cuenca ist auch in vollem Gange. In diesem Jahr wurde zuerst ein Teil der Fundamente gegraben und ein großer Kanal gemacht für die Ableitung des Wassers und der Feuchtigkeit, welcher jetzt fertig ist, und jetzt sind wir an der Aufführung der Mauern einer unterirdischen Kapelle, welche zugleich als Fundamente der Kathedrale dienen wird. Am 12. Dezember des Jahres war die große Feierlichkeit der Einsegnung des ersten Ecksteines, bei welcher Gelegenheit unser Hochwürdigster Bischof eine große Marmorplatte aufstellen und auf der Seite des Altars in dieser unterirdischen Kapelle einmauern ließ, welche mit einer Inschrift und seine mehrere Namen enthielten, zum ewigen Andenken als Urheber dieses Katedrals. Die Frage, ob ich dieses große Werk leiten werde, ist bis jetzt noch nicht entschieden und es scheint, daß man mich in Rom dazu nicht zwingen will ... In diesen Weihnachtstagen werde ich mit unserem Hochw. Bischof eine Reise machen für Visite der Kirche und Firmung. Ich arbeite auch gerade an einem Plane für eine große neue Kirche und Kloster für die Republik Colombia, und ich bin nicht wenig in Gefahr, daß ich dasselbe vielleicht noch selbst ausführen muß. Lieber Bruder, wenn ich all die Beschäftigungen, welche ich in der Nähe und Ferne habe, beschreibe, so würde noch ein großes Blatt nicht hinlangen".

Am 22.12.1886 schreibt Johannes aus Cuenca an Schwester Wallburga Schlecker in Ehingen:

"Am 8. November haben viele der vornehmsten Frauen aus Cuenca (alle waren Häupter von religiösen Vereinen) unter vielen Ceremonien mir einen Engel von Zucker gebacken überreicht; er war wohl eineinhalb Fuß hoch und sehr künstlich verfertigt. Die Statue stand auf einem Berge, welcher ganz mit Rosen, Lilien und Vergißmeinnicht überwachsen war. Alles war so künstlich mit Zucker gemacht, daß ich es erst nicht glauben konnte, daß es nicht natürliche Blumen aus dem Garten waren, als ich es mit dem Finger fühlte. In der einen Hand hielt der Engel eine schöne Krone, in der anderen einen mit Gold verzierten Schild, auf welchen ein Kompliment von Versen geschrieben war: der Inhalt, daß dereinst mir diese schöne Krone als Lohn meiner Werke bereit halte und daß mein Andenken auf ewige Zeiten in Cuenca bleiben werde ... Cuenca ist mir so zum Vaterland geworden, daß ich nicht anderes wünsche als hierzu sterben "

Warum es Revolutionäre jetzt schwieriger haben

Am 8. Dezember 1887 berichtet Johannes Stiehle wieder einmal von der politischen Situation im Lande und der ökonomischen Entwicklung. Die Regierung tut viel für die Verbesserung des Landes, "überall werden Wege gemacht, Eisenbahnen erbaut und auch der Telegraf geht schon im ganzen Land und durch diesen letzteren haben die Revolutionen bedeutend verloren." (In aller Unschuld erweist sich hier der Ordensmann als ein scharfsinniger politischer Analytiker. Die modernen Nachrichtentechniken erhöhen die Kontrollchancen der Regierenden; subversive Bewegungen, die meistens nicht über den selben guten Zugang zu Nachrichtentechniken verfügen, sind in ihren Durchsetzungschancen benachteiligt).

Das Geräusch der Erde selbst, wie ein starker, schwerer Donner

Die Vorgänge in Mexiko vor einigen Wochen lassen uns einen Bericht Bruder Johannes noch drastischer empfinden; Johannes erinnert sich an ein Erdbeben am 29. Juni 1887:

"Die furchtbaren und heftig schnellen Bewegungen der Türmer, Kirchen, Häusern und Bäumen waren schrecklich anzusehen dazu kam noch das Geräusch der Erde selbst, welches wie ein starker, schwerer Donner war, das Krachen der brechenden Mauern, Knacken und Brechen der einstürzenden Dächer auf den Häusern und das furchtbare Jammergesehrei der Menschen. Ich richtete mein Augenmerk ganz besonders auf unsere alte Kirche, weil sie ohnedies schon baufällig ist und in ihr gerade vier Priester am Altare waren, die Heilige Messe zu lesen, und mehr als 300 Personen in ihr der Hl. Messe beiwohnten. Ich konnte nichts mehr anderes denken, als alle diese Menschen unter ihrem Schutte begraben zu sehen und das besonders, als ich ein an sie anstoßendes Gebäude einstürzen sah. Doch der Herr hat uns vor diesem Unglück bewahrt ... Der Thurm unserer neuen Kirche schwankte so heftig hin und her, daß ich es nicht mit etwas anderem vergleichen kann als mit dem Blitze in einem Gewitter, und mit allem Ungestüm läuteten von selbst die fünf Glocken welche sich in ihm befanden ... ein Jüngling wurde unter den Trümmern einer einstürzenden Mauer getötet, und ein Knabe in der Kirche der Dominikaner von der aus der Kirche fliehenden Menge erdrückt. (Auf dem Land waren die Schäden noch schlimmer)".

"Lieber Bruder, Du kannst es Dir wohl denken, welchen Eindruck es auf mich machte, als ich in unsere so schöne und zum Theil schon so prachtvoll ausgemalte neue Kirche kam, welche ich unter so vieler Mühe und Arbeit mit dem Schweiße so vieler armen Leute durch eine so lange Reihe von Jahren erbaut habe, in so traurigem Zustande erblickte. Oberall, wo ich nur hinschaute, sah ich nur Risse, selbst die stärksten und größten Bögen 5 bis 6 mal geteilt, und die ganze Decke der Kirche gleichsam wie zermalmt und den Boden mit dem losgetrennten Bestriche der Kirche bedeckt. Ein Seitenschiff war der ganzen Länge nach durch die ganze Kirche ganz getrennt vom Mittelschiffe, das andere hingegen hatte etwas weniger gelitten Auch ging ich gleich die schöne Jesuitenkirche sehen, welche als Pfarrkirche der Stadt dient, es ist dieselbe, auf welche ich vor einigen Jahren eine große Kuppel erbaute, und welche nach unserer Kirche die schönste in der Stadt ist, ich fand aber all ihre Kuppeln und Mauern so zerrissen, daß an eine Wiederherstellung nicht mehr zu denken ist. Sie wurde sogleich geschlossen und jetzt arbeitet man an Vorkehrungen, um sie abzubrechen. Während acht Tagen war ich nur beschäftigt, die Häuser in Cuenca zu untersuchen, und sah mehr als jeder andere den großen Schaden, den Cuenca erlitten hat, fand einige Häuser, in welchen ich nicht zugeben konnte, auch nicht nur eine Nacht in ihnen zu schlafen. Selbst auch eine Hauptmauer unseres Klosters ist wohl 15 mal vom Fundament bis in das Dach gerissen im Anblicke so vielen Elendes während dieser acht Tagen erkrankte ich welche Krankheit sich alsdann mit der Gelbsucht endete, und bereits alle Leute von Cuenca hatten zu derselben Zeit die Gelbsucht, welche die Ärzte als Ursache dem Schrecken zuschreiben. Als ich das Zimmer wieder verlassen konnte, begab ich mich auf ein neues daran, unsere neue Kirche wieder zu reparieren, und glaube, daß von jetzt an in Zeit von vier Monaten sie wieder in vorigen Zustand zu bringen".

"Keinen Menschen, der mir in etwas helfen konnte"

Am 8. März 1891 bedankt sich Johannes bei seinem Bruder Anton dafür, daß er ihm ein Blatt mit der Zeichnung und Beschreibung des Münsters zugeschickt habe:

"Denn, lieber Bruder, ich bin hier in Cuenca Direktor von einer neuen Kathedrale, welches in seinem Umfange diesen auf diesem Blatte erwähnten Münster nicht viel nachstehen wird. Auch ich will Dir jetzt die Ansicht der Hauptpforte von unserer neuen Kathedrale schicken, welche ein Photografist vom Plane abgenommen hat. Ich bedauere, daß ich die Seitenansicht nicht habe, welche, wegen ihren drei erhöhten Kuppeln, und großartigen Seitenpforte und zwei Reihen kleiner Thürme weit prachtvoller anzusehen ist. Ich selbst machte den zu diesem großen Gebäude und bin auch jetzt ganz allein, um denselben auszuführen. Und zur Arbeit dieses großen Planes war ich hier ohne auch nur das geringste Buch der Architektur, noch das kleinste Heftchen zu haben, und auch keinen Menschen, der mir in etwas helfen konnte; nur konnte ich mich eines Zeichnungsbuches bedienen, welches ich mir selbst gemacht habe. Wie nützlich ist es mir alsdann, eine Zeichnung oder Beschreibung von großen Kirchen zu erhalten ... Für den Plan der Kathedrale zu machen, hat der Hochw. Bischof und der Ehrw. Kapilder (Kapitular?) 1600 Mark versprochen, als ich aber ihnen den Plan überreichte, gaben sie mir 6400 Mark und seit ich die Leitung dieses Gebäudes übernommen habe, zahlen sie mir jeden Monat 160 Mark, ohne daß wir etwas von ihnen begehre."

Die völlige singuläre Position, die Johannes Stiehle durch seine Tätigkeit als Leiter des Dombaus einnahm, hatte zur Folge, daß er zu einer gewissermaßen sakrosanten Person wurde, die als solche auch höchsten Regierungspersonen "die Wahrheit" sagen konnte, ohne irgend etwas befürchten zu müssen.

Die Überbesetzung juristischer Berufe mit allen ihren Nachteilen ist für Südamerika nichts Neues. So wird aus folgendem Briefteil vom 8. März 1891 deutlich:

"Erst vor kurzem bekam die Regierung wegen einem Straßenbau in einer anderen Provinz des Equators einen wichtigen Prozeß mit dem Direktor dieses Werkes. Die Regierung ernannte mich, die ganze Sache zu untersuchen und zu richten, welches letztere ich ihnen geradezu abschlug, denn hier zu Lande hat man nicht ein Oberamtsgericht wie bei Euch, sondern in jeder Provinzstadt werden von der Regierung einige Advokaten als Richter ernannt und wenn jemand einen wichtigen Prozeß anfangen will, so können die beiden Parteien sich einen aus diesen ernannten Richter erwählen. In Cuenca sind mehr als 200 Advokaten. Um jedoch der Regierung nicht alles abzuschlagen, begab ich mich an Ort und Stelle und nachdem ich alles in Augenschein genommen hatte, sandte ich eine schriftliche Erklärung an die Regierung in Quito, welches die Residenzstadt ist, damit die Sache dort gerichtet werde".

"Wegen dem vielen Zeichnen habe ich schon das Gesicht verloren"

Am 14. Februar 1892 gibt Johannes in einem Brief an Bruder Chrisostomus in Dächingen als Grund für die lange Pause seit dem letzten Schreiben die Kombination von zunehmendem Alter und wachsenden Aufgaben an:

" ... zeigt sich immer mehr meine Altersschwäche, und mit dem Altern scheinen sich immer meine Arbeit zu vermehren. Wegen sehr dringenden Arbeiten waren unter mehreren anderen ein Plan für ein Spital für ein Städtchen, welche eine Tagesreise von hier entfernt ist, für die Schwestern aus dem Orden der Hl. Katharina genannt. Ich war bereits eine ganze Woche dort, um den Platz auszusuchen, für den Plan machen zu können und auch jetzt sollte ich wieder hingehn, um dem Gebäude den Anfang zu geben (daher erst die späte Antwort). Ich habe gegenwärtig nebst unserer Kathedrale, nebst unserem eigenen neuen Kloster, welches wir im Bauen sind, auch die Leitung einer neuen Kirche, zwei großer Schulhäuser, ein Haus für das Ehrwürdige Konsilio, das große Seminar, den Spital in Culica, eine neue Brücke. Wegen dem sehr vielen Zeichnen habe ich schon bedeutend das Gesicht (d.h. die Sehkraft) verloren, und obschon ich mir vorgenommen habe, keine neuen Zeichnungen mehr aufzunehmen um nicht das Gesicht ganz zu verlieren so kommen doch immer wieder Andere so zudringlich daß man es nicht leicht abschlagen kann.

"Was nur ein Gemüth niederzudrücken vermag"

Bei aller sonst recht starren dogmatischen Betrachtungsweise menschlicher Verhältnisse kann Johannes Stiehle auch ganz unvoreingenommen menschlich, mit feiner psychologischer Gabe urteilen. Zur Begründung, warum er seine Geschwister bittet, sich besonders seiner Schwester Mariana anzunehmen, erinnert er (21. 11. 1893) an ihre furchtbare Gichtkrankheit und heftigen Fußleiden, dazu ihren unglücklichen Ehestand: "sie hatte alle Trübsale durchzumachen, was nur das Leben bitter macht, bald schwere Krankheiten, Unglücksfälle in ihren Kindern, äußerste Armuth und Verachtung, so viele andere Sachen, was nur ein Gemüth niederzudrücken vermag." Dieser Abschnitt steht ganz im Widerspruch zu vielen anderen Briefstellen, die in unserem Text einfach übergangen wurden und in denen sich Stiehle ganz in der herkömmlichen katholischen Tradition über den Wert des Leids als besondere Gnade Gottes, als Erhebung zum Himmel etc. etc. etc. ausläßt.

Zugleich erfahren wir auch, daß er, als 65-jähriger wohlgemerkt, "ein großes, neues Kloster" angefangen hat, "mit einer schönen gotischen Kirche, für welche man am 12. Oktober feierlich den Eckstein einsegnete"; dies geschah im Auftrag eines neu nach Cuenca gekommenen weiblichen Schulordens.

Die Briefe des Jahres 1895 (4. Januar, 19. Juli, 27. September, 27. Dezember) betreffen fast durchweg "Privates"; sie bitten um die Gnade eines guten Todes, erinnern sich an eine wunderbare Rettung aus einem Arbeitsunfall Jahrzehnte zuvor in Teterchen, sie schildern die Schrecknisse der Hölle und des schlechten Sterbens, sie bitten darum, kein Verwandtes von einem Klosterberuf abzuhalten, und danken dafür daß eine Schwester von einer anderen gut behandelt wurde.

Der letzte Brief in die alte Heimat

Das letzte schriftliche Zeugnis aus der Hand von Bruder Johannes, das auf uns überkommen ist, stammt aus dem Jahre 1897, zwei Jahre vor seinem Ableben, und ist an Bruder Chrisostomus gerichtet. Johannes notiert darin ein schweres Beinleiden ("vom Fuß bis zum Knie ein Fuss "ganz schwarz"); er werde aber von den besten Ärzten Cuencas behandelt; möglicherweise müsse der Fuß abgenommen werden. Johannes fährt fort: "Bei all diesem körperlichen Elende habe ich noch immer die Leitung unserer neuen Kathedrale und selbst mehrere der öffentlichen Staatsarbeiten besorgt, denn ich war förmlich niemals im Bette, sondern konnte noch immer umhergehen... und habe selbst zu Zeiten zu Pferde noch einige Reisen gemacht, was ich aber jetzt nicht mehr tun kann. Es ist leicht zu denken, daß die Leitungen solcher Arbeiten mir von Tag zu Tag beschwerlicher werden, doch, solange es Gott haben will, will auch ich alles thun, was in meinen Kräften steht."

 

Bildmaterial

 

 

<span style="font-size: 10pt;"><strong>In Südamerika Feier seines     Gedächtnisses, in Deutschland vergessen: </strong> </span>
<p style="text-align: left;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">Johannes Stiehle, Ordensbruder aus     Dächingen, Erbauer des Doms von Cuenca</span></p>
<p style="text-align: left;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">1982 wurde zu seinem Gedächtnis ein     neues Gemeindezentrum nach ihm benannt</span></p>
<p style="text-align: left;" align="center"><span style="font-size: 10pt;"><br /></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Im     nächsten Jahr wird in Ecuador/Südamerika das hundertjährige Bestehen eines der     schönsten Gotteshäuser des Landes und überhaupt des Kontinents gefeiert: des Doms von     Cuenca (Foto). In Cuenca wird auch das Gedächtnis des Mannes begangen, der den Plan für     den Dom entwarf und den Bau leitete; vor einiger Zeit wurde eigens ein großes neues     Pfarr- und Diözesanzentrum in der Großstadt Cuenca auf seinen Namen "getauft"     und auch sogar ein etwa zwei Quadratmeter großes Bild des Dombaumeisters an der     Außenseite des Pfarrzentrums angebracht, das den Architekten mit seinem Hauptwerk im     Hintergrund (Foto) zeigt. Eine Gedenkschrift zum Domjubiläum bezeichnet den Architekten     als genialen Mann. </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Was geht uns Deutsche das an? - Dieser Architekt     - nicht nur des Domes von Cuenca, sondern vieler weiterer Kirchen, Krankenhäuser,     Schulen, großer Wohnhäuser, Brücken, etc. etc. - war ein Deutscher, stammte aus dem     Raum Ehingen, aus Dächingen. Er verließ vor 135 Jahren sein Heimatdorf, und so ist sein     Name heute in Dächingen nur noch wenigen Verwandten bekannt, seine Bedeutung als     Baumeister und Künstler ist fast vergessen, sie war überhaupt nicht richtig bekannt.     Freilich: wer konnte sich in Deutschland ein Bild machen von der Tätigkeit Johann Baptist     Stiehles, solange es keinerlei Fotos von allen diesen Bauten hier in Deutschland gab.     <strong>&nbsp;</strong></span></p>
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<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;"><strong>Südamerika - was wird da schon los sein?! </strong></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Jetzt gelang es Nachforschungen von     Altbürgermeister Holzmann und der Redaktion der Schwäbischen Zeitung, Fotos von     Bauwerken zu erhalten, für die J. B. Stiehle als Planer und/oder Bauleiter verantwortlich     war, und weitere Einzelheiten über ihn zu erfahren. Und diese Bilder, von denen wir     einige hier veröffentlichen, sagen mehr als viele Worte. Wenn Stiehle auch von einem     Ordensbruder nach seinem Tod 1899 in einem Schreiben an die Dächinger Verwandtschaft in     höchsten Tönen gepriesen wurde (der Text wurde damals für Dächinger Bürger auch im     Haus Feger in Ehingen gedruckt), so brachten und bringen doch erst Bilder seiner Bauten     den Eindruck, den Worte nie machen können. Dabei beziehen sich die hier veröffentlichten     Fotos im wesentlichen nur auf Fotos von Bauten in und um die ecuadorianische Großstadt     Cuenca; Stiehle hat aber auch für die tausende Kilometer entfernte Ordensniederlassung     der Redemptoristen in Chile eine Kirche entworfen und für weitere kirchlich bestimmte     Bauten in weiteren Staaten Südamerikas. Die Arbeit in allen diesen Orten zu     dokumentieren, wird eine weitere Aufgabe sein, bei der sich BM Holzmann und die SZ gerne     unterstützen lassen. </span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Alles, was bisher in Dächingen an das Leben J.     B. Stiehles erinnerte, war die Veröffentlichung von 1898, die wohl noch in einigen     Häusern vorhanden ist, dazu Briefe Stiehles aus Südamerika an seine Dächinger     Geschwister (in Familienbesitz). Eine alte Dächingerin, Ordensfrau, die jetzt im     Mutterhaus Reute ihren Ruhestand verbringt, weiß noch aus Erzählungen ihrer Eltern     einiges über die Person und das Leben J. B. Stiehles beizusteuern. </span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">Was     niemand erwartet hatte: Antwort aus Ecuador </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Das Schriftchen des Redemptoristenpaters Augustinus     Georgius Kaiser, eines Landsmannes von J. B. Stiehle in Ecuador, war als lateinisch     verfaßtes Schreiben nach Europa gekommen und war von dem Altsteußlinger Studenten Ludwig     Mauch ins Deutsche übersetzt worden, ist aber schon lange vergriffen. Daß dieser wohl     bedeutendste Sohn Dächingens vergessen sein sollte, bekümmerte den Dächinger     Heimatfreund Holzmann. Freilich, was tun? Woher etwas erfahren? War der Mann nicht auch     schon in Südamerika womöglichst längst vergessen, fragten wir uns in diesem Frühjahr.     Anderes Land, andere Sprache, anderer Kontinent. Auch der SZ-Mitarbeiter, der dann auf den     Gedanken kam, es doch mit einem spanischen Brief an eine - vielleicht noch bestehende -     Ordensniederlassung der Redemptoristen in Cuenca zu versuchen, erschien von vornherein als     Schuß ins Leere, als nutzlose Arbeit. Wer kann sich die Freude vorstellen, daß auf den     Brief nach Südamerika einige Wochen später Antwort kam, mit den hier veröffentlichten     und weiteren Bildern, mit einem größeren vervielfältigten Text aus dem Jahre 1982,     verfaßt im Zusammenhang mit der Weihe des "Pfarrzentrums Juan Bautista     Stiehle", und mit einer gedruckten kleinen Festschrift zum Domjubiläum. Und wie es     der Zufall will: die Zeitschrift des deutschen Missionshilfswerks Aachen, Missio,     veröffentlicht jetzt gerade in ihrer November/Dezember-Ausgabe ein Foto aus Cuenca, in     dem der dortige Dom und gleich daneben noch ein weiteres von Stiehle geplantes schönes     Haus zu erkennen sind (dem Fotograf, dem Deutschen Klaus Herzog, ging es freilich nicht um     den Erbauer des Domes und des Hauses, sondern um Bräuche in dem südamerikanischen Land).</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Wir möchten im folgenden     versuchen, das Leben J. B. Stiehles nachzuzeichnen, aufgrund der Kaiserschen Biografie,     aufgrund der Mitteilungen aus Südamerika, aufgrund von Stiehles Briefen und heutiger     Erinnerungen. Des weiteren soll auch Stiehle selbst mit Ausschnitten aus seinen Briefen an     seine Verwandten zur Sprache kommen.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Johannes Stiehle kam in Dächingen am 1. Juni 1829     zur Welt. Sein Vater Tiberius stammte sehr wahrscheinlich aus Untermarchtal und war wegen     frühem Elternverlustes von dem Dächinger Ehepaar Johannes Koch und Anna Maria Zieglerin     aufgezogen worden. Tiberius und seine Frau Anna Maria geb. Geißelhart (Eheschließung     1815) hatten 16 Kinder, von denen zwölf erwachsen wurden. Johannes war das elfte Kind     unter den 16; ein früheres Kind hatte gleichfalls schon Johannes geheißen, war aber     früh gestorben.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Der kleine Johannes wuchs in einer     selbstverständlich frommen Umgebung auf. Seiner Mutter soll schon bald aufgefallen sein,     daß in dem kleinen Johannes eine große Seelen- und Willenskraft steckte.</span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">Handwerkslehre in     Oberstadion, Bekehrung, Ordenseintritt </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;">&nbsp;</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;"> Soweit erkennbar, erlernte Johannes die Berufe     Zimmermann und Hufschmied, u. a. in Oberstadion, wo ihn anscheinend sein Lehrherr gern mit     seiner Tochter verheiratet hätte.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Auf dem Weg zwischen Dächingen und Oberstadion     badete der junge Johannes einmal nachts in der Donau und wäre in einem Strudel fast     ertrunken, kam aber dann doch wieder an Land, worin der Gerettete göttliches Wirken     erkennen wollte (so schreibt er in einem Brief Jahrzehnte später an einen seiner     Dächinger Brüder). Solche Situationen, wo ihm der sichere Tod vor Augen stand und dann     der unerwartet glückliche Ausgang folgte, erlebte er mehrmals; für ihn, waren es     Zeugnisse göttlichen Wirkens. Stiehle erinnert sich auch, daß er einmal von einem hohen     Gerüst in einer Kirche fiel und unversehrt blieb, ebenso, daß ein Haus über ihm     zusammenstürzte und ihm nichts geschah (beides in Teterchen/Lothringen; davon weiter     unten), daß er in Südamerika schwer krank war, so daß ihn alle Ärzte aufgegeben     hatten, er aber doch plötzlich wieder gesundete. Diese als Wunder erfahrenen Vorgänge     bringt Stiehle aber nicht von sich aus "auf's Tapet", sondern schildert sie als     Antwort auf einen weiteren solchen Vorfall, an den sich der Bruder in Dächingen in einem     Brief erinnert, den der Adressat in Südamerika aber vergessen hatte.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Wieder zurück. Soweit rekonstruierbar wurde der     religiös schon sehr empfängliche junge Handwerker bei einer der damals häufigeren     sogenannten Volksmissionen besonders ergriffen. Aus der vom Lehrherrn geplanten     Verheiratung seines Gesellen wurde nichts. Prediger der Volksmission, so heißt es in dem     biografischen Text aus Ecuador, auf den wir uns jetzt stützen, war ein Redemptorist. Und     die Begeisterung, die dieser Volksmissionar entfachte, scheint so groß gewesen zu sein,     daß laut unserem, südamerikanischen Gewährsmann auch der Ortspfarrer Josef Schneider,     "der sich anscheinend der religiösen, Berufung des jungen Stiehle widersetzte",     Mitglied des Ordens werden wollte.</span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">In Teterchen,     Dep. Mosselle </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Seltsam ist, daß die deutschen Redemptoristen den     jungen Johann nicht aufnehmen wollten. Aber über die Vermittlung des Ordens wird eine     Aufnahme im Ausland möglich, in einer der drei französischen Ordensprovinzen, in dem     kleinen Ort Teterchen im damals französischen Lothringen, Departement Mosselle, nähe der     Grenze zum Saarland zu (Zwanzig Jahre später wurde dieser Teil bis 1918 deutsches     Reichsgebiet). Soweit erfahrbar, haben die Redemptoristen heute dort keine Niederlassung     mehr.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">In Teterchen also beginnt J.Stiehle am 28. Dezember     1850 sein Noviziat, die Profeß folgt am 19. Januar 1854, also nach über drei Pro-     bejahren. Bis 1873 bleibt J.Stiehle in Teterchen. Er arbeitet vor allem in seinem     erlernten Beruf, aber auch, wenn es nötig war, als Koch.</span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">Briefe in die     Dächinger Heimat</span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Aus Teterchen haben wir nun die ersten persönlichen     Lebenszeugnisse von Johannes Stiehle, seine Briefe an die Eltern und später auch die     Geschwister. Einige - oder alle? - Briefe wurden in einigen der verwandten Familien bis     heute aufgehoben und für diesen Text zur Verfügung gestellt. Franz Holzmann war bei der     Entzifferung behilflich, schließlich sind die Briefe in "deutscher"     Schreibschrift gehalten und - man möchte fast schon sagen - mikroskopisch klein     geschrieben, mit etwa drei Millimeter hohen Buchstaben; es mußte damals wohl an Papier     wie an Porto gespart werden.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Der erste uns erhaltene Brief in die Dächinger     Heimat stammt vorn 14. November 1852, der letzte, wenige Jahre vor dem Tod geschrieben,     stammt aus dem Jahre 1895, aus Südamerika.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Alle Briefe enthalten immer ein gut Teil religiöse     Erbauung und Ermahnung in einer Art, wie sie für die katholische Predigt und Literatur     der letzten Jahrhunderte, bis in die sechziger Jahre dieses Jahrhunderts bei uns, anderswo     wohl auch heute noch, üblich war. J. Stiehle ist ein guter - wenn auch für uns heute     vielleicht streckenweise etwas zu blumenreicher- Stilist. An den Briefen wird deutlich,     daß er geistig und bildungsmäßig nicht nur ein einfacher Handarbeiter war. Alle Briefe     an die Eltern enthalten immer wieder Äußerungen des Dankes, an die Geschwister wird     immer wieder die Bitte guten Einvernehmens gerichtet.</span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">"Etwas     größer als die Frankenhofer Kirche"</span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Zum Teil enthalten die Briefe auch geschichtlich     interessante Angaben, wenn er -aus Teterchen und später aus Cuenca - die,     "Daheimgebliebenen" über die Ernteaussichten in "Lothringen" und dann     "im Equator" unterrichtet. Aus Teterchen berichtet der junge Johann auch nach     Hause, man habe hier im Sommer (1852) eine neue Kirche gebaut, "die noch etwas     größer ist als die Kirche von Frankenhofen"; der Bischof von Metz weihte sie. Immer     wieder betont der junge Mönch, daß er in höchstem Maße glücklich über die getroffene     Wahl sei: "glaubet nicht wie so viele Menschen in der Welt glauben, daß die     Ordensleute ein trauriges Leben haben". Die Eltern und Geschwister möchten sich ihn     niemals als "einen traurigen vorstellen, sondern als einen fröhlichen und der alle     Ursache hat, fröhlich zu sein".</span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">"Es gibt     gute und es gibt bessere Orden" </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> In einem weiteren Brief, vom 9. Mai 1853, erinnert er     sich an die Seelsorger seiner Heimatgemeinde, insbesondere den Altsteußlinger Pfarrer     Wien, dessen Gedächtnis auf der Ehinger Alb anscheinend auch heute noch nicht ganz     erloschen ist. - In einem Brief vom 24. Oktober 1867 befaßt sich J. Stiehle     ausführlich mit dem geplanten Ordenseintritt seiner Nichte Theresia. Er ist der Meinung,     daß es verschieden geeignete Orden gibt, äußert aber diese Meinung sehr diplomatisch     mit dem Satz: "Es gibt gute Orden, bessere Orden und sogar noch bessere Orden".     Und er hält es immerhin für möglich, daß bei einer falschen Ordenswahl die Nichte     lebenslang unglücklich werden könnte. (Un ser Ordensmann scheint also nicht nur gute     Orden zu kennen). Die richtige Ordenswahl der Nichte scheint ihm wichtig zu sein und alles     Für und Wider gar nicht genug in einem Brief zu entfalten, so daß er den Brüder samt     dessen Tochter bittet, ihn zu einem Gespräch in Teterchen zu besuchen. Er gibt genaue     Reiseanweisungen, etwa der Art, daß zwischen Mannheim und Ludwigshafen noch keine     Bahnverbindung besteht und man deshalb über das Rheinufer eine halbe Stunde von einem     Bahnhof zum anderen gehen muß, er nennt einen Bäcker und Gastwirt "in der     französischen Straße" in Saarlouis, von, wo aus die Dächinger Verwandten entweder     zu Fuß (mehrere Stunden) oder mit dem Klosterwagen bis nach Teterchen gelangen könnten.     Für den Grenzübertritt empfiehlt Bruder Johannes weltklug, es sei das beste, wenn die     Nichte einmal gewaschene Hemden mitnimmt, "wegen der Zollsteuer". Auch im Fall     der Schwester scheint es übrigens damals in Frankreich leichter als in Deutschland     gewesen zu sein, ein aufnahmebereites Kloster zu finden.</span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">In Ecuador -     und gleich stellt der Bruder in Quito eine Orgel auf </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> 1873 wird Johannes nach Südamerika geschickt, wo sein     Orden zu dieser Zeit eine Niederlassung aufzubauen beginnt: Am 16. Dezember 1873 kommt     Johannes Stiehle in Riobamba, einer Stadt in Ecuador, an, zusammen mit Pater Courtot und     drei anderen Ordensbrüdern. Gleich nach seiner Ankunft dort wird er weiterbeordert, in     die Landeshauptstadt Quito, wohin ihn der dortige Erzbischof gerufen hatte, "um die     Orgel der Kathedrale einzubauen", wie unser südamerikanischer Gewährsmann schreibt.     Es ist die erste Nachricht über eine eigenständige technisch-planerische Arbeit     Stiehles, von der wir erfahren, und gleich eine höchst spezialisierte. Dem Ordensbruder     muß also schon aus der Lothringer Zeit der Ruf eines hervorragenden Technikers (in jeder     Richtung) vorausgeeilt sein.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Leider haben wir über den mehr als zwanzig     Lebensjahre umfassenden Lebensabschnitt in dem dortigen Kloster noch so gut wie keine     Kenntnis; Johannes schreibt fast nie etwas von seiner beruflichen Tätigkeit; man kann     sich aber eigentlich nur vorstellen, daß er auch bereits im Noviziat an der oben     erwähnten Teterchener Kirche mitgearbeitet hat, vielleicht auch gerade deshalb vom Orden     dorthin geschickt wurde.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">In unserem Text aus Ecuador wird auch gleich eine     weitere Aufgabe für die erste Zeit in Südamerika genannt: "Bruder Juan entwarf und     baute das große Missionskreuz" von Quito. Am 11. Mai 1874 reist er dann in die     Provinzhauptstadt Cuenca, wo er die 25 Jahre bis zu seinem Tod bleiben wird. Sein Leben,     so schreibt sein südamerikanischer Biograph "verläuft zwischen der Stille des     Klosters und herausragender Tätigkeit als Architekt und Baumeister". (An dieser     Stelle darf ein weiterer Dank eingeflochten werden, an den Ehinger Lehrer Wolfgang     Bohusch, der die umfangreichen Texte, die der Verfasser dieses Beitrags aus Südamerika     erhielt, alle ins Deutsche übertrug).</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Im folgenden seien nun Stiehles vielfältige     Architekten- und Ingenieurleistungen in Südamerika aufgeführt.</span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">Bauleitung bei der     Ordenskirche</span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Soweit erkennbar, scheint der erste große Bau, den     Stiehle zwar nicht plante, dessen Bauleitung er aber hatte, die ordenseigene Kirche in     Cuenca gewesen zu sein. Grundsteinlegung war 1875, Einweihung 1888. Ab 1890 wird ein neues     Kloster gebaut, dessen Pläne von Stiehle stammen; zu seinen Lebzeiten hatte er auch die     Bauleitung (wohl bis zu seinem Tod 1899). Dieses Kloster wurde 1904 vollendet und 1936     aufgestockt, scheint aber heute nicht mehr zu bestehen.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">In diesem Zusammenhang sei angemerkt, daß die     französische Ordensprovinz der Redemptoristen für die Ausdehnung nach Südamerika     zuständig war und daß deshalb Stiehle bald nach ersten Mitgliedern des Ordens nach     Ecuador kam. Weil Redemptoristen vor allem auch sogenannte Volksmission trieben, lag es     nahe, daß sie sich um die Volkssprache kümmerten; so wurde einer der Patres, die mit     Stiehle gleichzeitig in Cuenca waren, einer der bedeutendsten Sprachwissenschaftler der     Indiosprache Ketschua. Zur Tätigkeitszeit Stiehles zählte die     Redemptoristenniederlassung in Cuenca acht Priester, sechs Brüder und zwei Novizen; die     Zusammensetzung war international: Schweizer, Spanier, Italiener, Franzosen, Deutsche     waren darunter. Die Ordensniederlassung in Cuenca wurde San Alfonso benannt, nach dem     Gründer des Ordens dem heiliggesprochenen Moraltheologen Alfons von Liguori.</span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">In Chile und     Peru nach Plänen Stiehles </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Von dem Redemptoristenkloster von Cuenca sah Stiehle     selbst noch die Vollendung der Kapelle und des Friedhofs der Gemeinschaft. Für den Orden     arbeitete er auch an dessen Kirche in Riobamba mit. Weiter entwarf und war er Bauleiter     für die Häuser und Kapellen des Ordens in Tarqui und Cojitambo. Er entwarf die Pläne     für die Redemptoristen-Kirchen und -Klöster in Buga im Staat Kolumbien und in Cauquenes     in Chile. Er entwarf die Pläne für die Altäre der Redemptoristenkirche von Lima (Peru).</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">In der Stadt Cuenca selbst waren weitere Arbeiten     von ihm: der Einbau einer Orgel im alten Karmelkloster, der Bau des neuen Karmelklosters     mit einer "wunderbaren Kapelle" (so unser südamerikanischer Gewährsmann), die     hübsche neugotische Kapelle zum Heiligsten Herzen Jesu, ein Abendmahlsaal (?) zur     nächtlichen Anbetung des Altarsakrarnents, die Schule der Christlichen Schulbrüder und     die Mittelpunktschule der Schwestern der Nächstenliebe, des weiteren ein Teil des     Diözesanseminars; Stiehle arbeitete mit beim Bau des Waisen- und des Krankenhauses von     Cuenca. Für die ordenseigene Kirche in Cuenca schnitzte Stiehle die Altäre, Portale,     Beichtstühle und die Kanzel und "kleidete, sie in liebliche Farben", auch     schmückte er die Säulen und Wände der Kirche mit "frommen Inschriften und     Reliefplatten" (so Pater Augustin Georg Kaiser in seinem Nachruf 1899). Von der neuen     Karmelkirche schreibt Pater Kaiser. "Die Form des kleinen Gotteshauses, die     lieblichen Farben, die Anmut des Altars, die angenehme Mannigfaltigkeit der Zierarten, die     Einfachheit des ganzen Baus haben dem ebenso erfahrenen wie bescheidenen Künstler die     dankbare Liebe der Jungfrauen und die aufrichtige Bewunderung der Besucher erworben".     Für eine Klostergemeinschaft in Cuenca reinigte er deren tiefen Brunnen, reparierte ihn     auch sonst.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;"><br /></span></p>
<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">"EI     medico de las casas" </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Außerhalb von Cuenca war Stiehle zuständig für den     Bau einer Kapelle in Biblian, für den Turm der Kirche von Canar und die Friedhofskapelle     dort, für die große Schule der Vorsehung in Azogues und die Schule der Dominikaner in     Gualaceo.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">An Profanbauten sind genannt als seine Planung: das     Krankenhaus von Gualaceo, das "Haus" (wohl eher. der Stadtpalast) der Familie     Ordoñez mit Torbogen und Säulenvorbau (in Cuenca) und zahlreiche weitere Häuser. Er     renovierte alte oder erdbebengeschädigte Häuser, weshalb er den Namen     "Häuserdoktor" ("el medico de las casas") erhielt. Er plante     Straßen, Wasserleitungen und vor allem Brücken ("Leiter des Brückenbauamtes"     ist 1884 eine der Aufgaben von Bruder Johann), so die Brücke über den Sayausi zwischen     Capuli und Surucuchu, darunter vier Brücken der "Panamerica"-Straße, eine     nördlich, eine südlich von Chuquipata, von Machangara und Salado.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;"><br /></span></p>
<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">Zehn Jahre für den Dom </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Zehn Jahre, die letzten seines Lebens, befaßte sich     Bruder Johannes gänzlich mit dem Bau der Kathedrale von Cuenca. Er leitete bereits die     Ausschachtung der Grundmauern, die im Oktober 1885 begann, noch bevor endgültig über die     Gestalt des Bauwerks entschieden war. Aus dem Jahre 1886 stammen dann die ersten heute     noch erhaltenen Pläne für die Kathedrale aus der Hand von Bruder Johann. Diese ersten     Pläne fanden nicht die Zustimmung des Bischofs und wurden dann in Buga/Kolumbien     verwirklicht. Aus dem Jahre 1887 haben wir die Nachricht, daß er von einem Mitglied der     obengenannten Familie Ordoñez, der sich in Europa aufhält, Baumaterial und Werkzeuge     mitbringen läßt. 1888 wird zwischen Bischof und Redemptoristenorden ein     Architektenvertrag geschlossen. Stiehles Pläne von 1888 finden dann die Zustimmung von     Bischof León. "Ab 1889 muß »Bruder Juan« nicht nur technischer Direktor des Baus,     sondern auch Oberaufseher und manchmal einfacher Hilfsarbeiter sein".</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">In Südamerika scheint damals niemand - wie das bei     uns heute wohl unvermeidlich wäre - nach Diplomen und Zeugnissen gefragt zu haben; der     Mann war durch frühere Arbeiten ausgewiesen - und auch für sie hatte er keine Diplome     vorweisen müssen; in seiner deutschen Heimat hätte sich die Begabung von Bruder J.     Stiehle wohl auch zu seinen Lebzeiten schon nicht so entfalten können wie in den Ländern     Südarnerikas.</span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">Heiligmäßiger     Lebenswandel </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Alle Texte, die vom Leben des Bruders berichten,     schildern dieses Leben als heiligmäßig. Stiehle muß überall durch seine     Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Umgänglichkeit aufgefallen sein. Bewundert wurde er     auch, weil er trotz vieler Krankheiten ständig arbeitete oder die Gebetspflichten     erfüllte. Es wird berichtet, daß er während Krankheiten vor allem Pläne entwarf und     sich auch mit letzter Kraft zur Kathedralen-Baustelle schleppte, um nach dem Rechten zu     sehen. Bereits sein erster Biograph, sein Ordensbruder A. G. Kaiser, attestiert ihm einen     heiligmäßigen Lebenswandel. Wie es sich gehört, war auch sein Tod schön und geschah     bei Bewußtsein. Nach seinem Tod beteiligte sich die ganze Stadt am Trauerzug; Reliquien     wurden erbeten. Soweit die Zeugnisse über J. Stiehle von Zeitgenossen und Späteren.</span></p>
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<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">Fast kein     Zeugnis von Stiehle selbst über seine Dombauzeit </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Die Briefe, die Stiehle aus Südamerika nach Europa     richtete, lassen seine Bedeutung hingegen kaum erkennen; von seiner Arbeit schreibt J.     Stiehle an die Geschwister in Dächingen fast nichts; bekannt ist, daß er sich einmal -     wohl in der Vorbereitungszeit des Kathedralenbaues - Bilder vom Ulmer Münster schicken     ließ. Der Dom von Cuenca könnte diesem Gebäude aber allenfalls von der Fläche her     entsprechen, nicht von der Form und Gestaltung der Fassaden. In seiner architektonischen     Phantasie scheint Stiehle ein Kind seiner Zeit gewesen zu sein; der Stil, der Kathedrale     könnte durchaus mit Großkirchenbauten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa     verglichen werden; Stilelemente verschiedener Zeiten (vor allem der Romantik und aus     Byzanz) sind eingeflossen. Von einem weiteren Kirchenbau heißt es, wie erwähnt, er sei     "gotisch" (wir sagen heute genauer: neugotisch).</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Das einzige, was wir von Stiehles eigener Hand über     die Arbeit an der Kathedrale wissen, ist folgender Briefpassus vom 8. März 1891, den er     mit einem Foto des P1ans der Domhauptfront nach Dächingen schickte. "Ich bedauere,     daß ich die Seitenansicht nicht habe, welche wegen ihrer drei erhöhten Kuppeln und     großartigen Seitenpforte und zwei Reihen kleiner Thürme weit prachtvoller anzusehen ist     ... ". Zur Arbeit dieses großen Planes war ich hier ohne auch nur das Buch der     Architektur, noch das kleinste Heftchen zu haben und auch keinen Menschen, der mir in     etwas helfen konnte; nur konnte ich mich eines Zeichnungsbuches bedienen, welches ich     selber gemacht habe. Wie nützlich ist es mir alsdann, eine Zeichnung oder Beschreibung     von großen Kirchen zu erhalten" (wie der vom Ulmer Münster).</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Das große Problem einer Würdigung der     architektonischen Leistung Bruder Stiehles ist, daß auch der hier veröffentlichte Text     ohne persönlichen Augenschein verfaßt werden mußte; immerhin lagen wenigstens Fotos     vor. Der nächste Südamerika-Reisende aus dem Raum Ehingen könnte sich um die weitere     Darstellung der Arbeit Stiehles und um die Heimatgeschichte verdient machen, wenn er uns     mit weiteren, gezielt entstandenen Fotos versehen könnte.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;"><br /></span></p>
<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">"Wir     halten uns aus der Politik heraus und sind deshalb bei den Politikern beliebt" </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Die Briefe Stiehles aus Ecuador befassen sich außer     mit religiösen Ermahnungen auch mit der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung des     Landes. Dazu sei im folgenden noch einiges zitiert.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Mehrfach wird die Instabilität der politischen     Verhältnisse beschrieben, eine Eigenschaft einiger südamerikanischer Staaten, die sich     bis auf den heutigen Tag nicht geändert hat. Die Opponenten der Zeit Stiehles waren aber     nicht so sehr verschiedene Klassen (wie das heute stellenweise der Fall sein kann),     sondern verschiedene Fraktionen der selben Gutsbesitzerklasse, mit mehr     "liberaler" und mehr "konservativer" Gesinnung. Nicht so     selbstverständlich würden wir Heutigen dem Ordensbruder zustimmen, wenn er es für gut     hält, daß sich sein Orden aus allen politischen Konflikten heraushält und deshalb bei     jeder Partei im Staat wohlgelitten sei.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Stiehle berichtet beiläufig von vielen schlimmen     Vorkommnissen (Erdbeben, Cholera-Epidemien etc.), die man damals wohl als etwas     "normales" hinzunehmen gewohnt war. 1885, so berichtet er seinem Bruder Anton in     Dächingen, wurde in Cuenca der erste "Telegraf" eingerichtet. Straßen und     Brücken werden gebaut; "selbst haben wir schon eine gute Strecke Eisenbahn im     Lande".</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">In diesem Zusammenhang kommt Bruder Johann auf ein     Problem zu sprechen das wohl noch immer nicht ad acta gelegt ist: den christlich     aufgezäumten Aberglauben in Südamerika. Der Bischof von Cuenca bemühe sich, so schreibt     er, "übel verstandene Feste und Mißbräuche abzuschaffen". "Er hat für     diesen Schritt sehr viele Verfolgung zu leiden. Denn die hiesigen Leute in ihren     abergläubischen Trink- und Teufelsfesten anzugreifen, geht ihnen gleichfalls in den     Augapfel, welches kein Stand und Geschlecht ertragen will und bereits alle ohne Ausnahme     sich auf das Äußerste gegen ihn empören, ihn bald einen Ketzer oder Mann ohne Glauben     nennen". In der eingangs erwähnten neuen "Missio"-Ausgabe wird die Art,     wie Weihnachten in Cuenca heute gefeiert wird, beschrieben, und vermutlich dürfte auch     gerade darauf die Kritik des Dächinger Ordensbruders gemünzt sein; anscheinend spielt     bei der Verehrung des Christ-"Kinds" noch immer einiger Zauber und vor allem     Alkohol eine große Rolle.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;">Des öfteren fühlt man sich bei Briefen Bruder     Stiehles an die Gegenwart erinnert, so wenn er schreibt, daß "hier auf dem     Äquator" eines der Hauptprobleme darin besteht, daß kein Geld vorhanden ist.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size: 10pt;"><br /></span></p>
<p align="JUSTIFY"><strong><span style="font-size: 10pt;">Noch offene Fragen </span></strong><br /><span style="font-size: 10pt;"> Die hier zusammengetragenen Materialien über Leben und     Arbeit J. B. Stiehles sind noch unvollständig, vor allem fehlen Nachrichten über die 23     Jahre in Teterchen/ Frankreich.</span></p>
<span style="font-size: 10pt;"> Hatten wir gehofft, die Befassung mit dem Bruder,     der anno 1899 starb, erspare uns näheren Kontakt mit dem schlimmsten Jahrhundert der     deutschen Geschichte, dem 20., so sahen wir uns darin getäuscht. Bei der Nachforschung     nach der Tätigkeit Stiehles in Teterchen wurden wir von der jüngeren Vergangenheit     eingeholt; wir mußten von einem Straßburger Ordensmitglied erfahren, daß die Chronik     des Klosters Teterchen (1850 bis 1945) gegen Ende des letzten Krieges zerstört wurde.     Immerhin, so viel konnten wir auch erfahren: die Klosterkapelle wurde von     Ordensmitgliedern selbst gebaut. Solche Tätigkeit scheint im Orden auch nichts     ungewöhnliches zu sein, der Ordensgründer selbst, ursprünglich Jurist, dann Theologe,     baute eigenhändig am ersten Kloster mit. Auf dieses Beispiel des Hl. Alfons hebt auch     der, Text über Stiehle aus dem Redemptoristen-Kloster Cuenca aus dem Jahre 1982 ab. Es     fehlt noch weiteres Text-, Bild- und Plänematerial aus Südamerika, das jetzt zu     beschaffen versucht wird. Für Unterstützung bei diesen Sucharbeiten sind Ortsvorsteher     Holzmann und die SZ-Redaktion dankbar. Es erschien aber angezeigt, auch vor dem     vollständigen Vorliegen von Material wenigstens einen Schritt zu tun, das Gedächtnis     eines bedeutenden, fast vergessenen Mannes zu erneuern.</span>