Gemeinschaft zur Förderung des missionarischen Werkes von Bruder Johannes Baptista Stiehle CSsR. e.V.   © 2006ff

Das Klosterleben hat für den Novizen und Bruder nicht nur den Charakter von Weltentsagung und Versenkung im Gebet. Neben den Aufgaben als Sakristan übernirnmt er zeitweise auch die Tätigkeiten des Landwirts, des Pförtners, des Krankenpflegers und des Kochs.

Selbstverständlich übt er auch seine erlernten Berufe, Schreiner und Schmied, aus. Sein ganzes handwerkliches Können und Geschick setzt er zur Ehre Gottes und zum Wohl der klösterlichen Gemeinschaft ein.

1852 arbeitet Johannes mit am Bau der Klosterkirche in Teterchen, die »unter glänzender Festlichkeit« vom Bischof von Metz, Metensis, am 13.09.1852 eingeweiht wurde. Ende der 50-er Jahre betätigt er sich beim Klosterbau in St. Nicolas. 1861 hält er sich 4 Monate lang bei einer angesehenen Familie in Metz auf. Welche besondere Schreinerarbeit er dort ausführt, erfährt der Interessierte nicht. Bei dieser Familie sieht er, »Wie man auch im bürgerlichen Leben bei Reichtum und verschiedenen Arbeiten Gott dienen kann.«

1861/1862 werden die Arbeiten an der Klosteranlage in Teterchen fortgeführt. Die Gebäude werden ausgebessert, Werkstätten werden eingerichtet. Getreu der Regel des Ordensgründers Alfons von Liguori arbeiten Patres und Brüder zusammen, bilden sich in wissenschaftlicher und handwerklicher Arbeit. Für Johannes ist es ein Ansporn, daß »auch der hl. Alfons in der Baukunst bewandert (war) und die Pläne zum Bau seiner Häuser bearbeitet (hatte)«.

Der Ordensgründer wollte auch, daß die Oberen Büchersammlungen einrichten und ausbauen, um dadurch den Ordensangehörigen die Möglichkeit zu bieten, in allen Zweigen der Wissenschaft sich weiterzubilden.

Das größte Werk, das Bruder Johannes während seiner Zeit im Elsaß anfertigt, dürfte wohl der neue Hochaltar für die Klosterkirche in Teterchen sein. Bruder Johannes schreibt in diesem Zusammenhang von einer »dringenden Arbeit«, für die er jeden Augenblick aufwendet, »welchen (ihm seine) geistlichen Übungen übriglassen«.

Nicht ohne Stolz erwähnt er, daß »der Hochwürdige Bischof von Metz ... schon versprochen hat, zu dessen feierlicher Einsegnung persönlich zu kommen« und daß auch das ganze Kloster »sehnsuchtsvoll den Tag erwartet, wo dieser Altar aufgestellt werden soll.«

Von diesem ersten großen Werk dürfte Bruder Johannes gewiß seinen Geschwistern, Verwandten und Freunden ausführlich erzählt haben, als er 1867 zu einem ersten und einzigen Heimatbesuch in Dächingen weilt. Damals baten ihn seine Geschwister, ihnen etwas über Ablässe zu schreiben. Wieder zurück in Teterchen erfüllt er diese Bitte und schreibt einen 117-seitigen Brief mit Datum vom 10. 11. 1867, auf den später in anderem Zusammenhang noch einzugehen ist.

altar klosterkirche1868 gründen die Redemptoristen eine Niederlassung in Mülhausen-Riedisheim. Der Orden kauft dort eine Brauerei mit einem Tanzsaal und baut das Anwesen zu einem Kloster um. Diese Arbeiten werden unter Anleitung von Bruder Johannes durchgeführt. Der Umbau ist in der Bevölkerung umstritten; es gibt Befürworter, aber auch kritische, im Ansatz sogar militante Gegner. Als der Umbau des ehemaligen Wirtshauses zum Klostertrakt im Januar 1868 beendet ist und der frühere Tanzsaal als Kapelle eingesegnet wird, treffen Gegner und Befürworter aufeinander. Rückblickend schreibt Bruder Johannes: «Alles strömte herein, um sich von etwas Unglaublichem zu überzeugen. Sehr groß war die Freude der Gutgesinnten, aber auch nicht weniger groß die Wut der Gottlosen.»

Der Umbau hatte Bruder Johannes stark beansprucht. Er arbeitete Tag und Nacht bis zur Erschöpfung, um das Haus noch im Winter beziehen zu können. Er fertigte drei einfache Altäre an; einer davon war für das Gnadenbild der »Mutter von der immerwährenden Hilfe« bestimmt. Von diesem Altar schreibt Bruder Johannes, daß er »sehr schön ausgefallen ... und von unten bis oben ausgestochen, (d.h. geschnitzt, d.Verf.) ist, wie jener in Teterchen«. Und dann, nach der Einweihung, trifft die Redemptoristen der Zorn bestimmter Bevölkerungsgruppen. Monatelang werden die Patres und Brüder belästigt, Steine werden auf das Haus und die Kapelle geworfen, bis schließlich berittene Gendarmerie eingreift und Schutz gewährt.

Von November 1869 bis März 1870 arbeitet Bruder Johannes an der Klosteranlage von St. Nicolas de Port. Nach dem deutschfranzösischen Krieg (1870/71), als die Redemptoristen aus dem Elsaß und Lothringen verbannt werden, erhält er den Auftrag, in Perouse bei Belfort »in aller Eile« ein Kloster und eine Kapelle für die vertriebenen Ordensangehörigen in einem von den Redemptoristen erworbenen Gebäude einzurichten. Die Kapelle wird am 16. 9. 1873 eingeweiht. Eine vom 25. Oktober 1873 stammende Liste der Patres und Brüder dieses neuen Klosters enthält dann nicht mehr den Namen des damals 44-jährigen Bruder Johannes: Er ist bereits nach Ecuador abgereist.