Gemeinschaft zur Förderung des missionarischen Werkes von Bruder Johannes Baptista Stiehle CSsR. e.V.   © 2006ff

P. Augustinus Georgius Kaiser schreibt 1899 nach Dächingen: »Nach dem allgemeinen Urteil war unser Johannes ein erfahrener Baumeister- in den Gegenden am Aequator hat es keinen gegeben, der im Baufach mehr geleistet hätte als er.« Und weiter: »Es ist wahrlich wunderbar, daß der demütige Bruder so viele und so große Denkmale erbaut hat, er, der in Europa nur die Anfangsgründe in den Schulkenntnissen gelernt, der keinen Architekten als Lehrer gehabt, der keine Abhandlung über Architektur gelesen, der alle Erfahrung durch eigenes Nachdenken sich angeeignet hatte.«

Wenn wir diesem Zeugen und Zeitgenossen von Bruder Johannes Glauben schenken müssen wir zugeben, daß Bruder Johannes wirklich ein wunderbares und begabtes Genie war. Im folgenden haben wir verschiedene Werke aufgelistet, die Bruder Johannes Stiehle während seiner Zeit in Ecuador geschaffen hat.

In der Hauptstadt Quito:

  • in der Kathedrale von Quito baute er eine in Paris gekaufte Orgel ein und fertigte das Orgelprospekt dazu an;
  • er entwarf und erstellte das große Missionskreuz.

In der Stadt Cuenca:

  • er baute die Klosterkirche der Ordensniederlassung in Cuenca, auch wenn er diese Pläne nicht entwarf (1875-88);
  • er entwarf den Plan und begleitete den Bau des Redemptoristenklosters; er sah die Vollendung der Kapelle (1890);
  • im alten Karmel baute er die Orgel ein;
  • er baute das Kloster des Karmel vom HI.Josef (heute zerstört) mit seiner wunderbaren Kapelle;
  • er baute die neugotische Kapelle der Schwestern vom Hl. Herzen (heute zerstört);
  • er entwarf die Kirche zum heiligen Abendmahlsaal in der Form einer Monstranz;
  • er baute den Nordabschnitt des Diözesanseminars;
  • er entwarf die Pläne für den Bau der Kathedrale und leitete den Bau bis kurz vor seinem Tod (1889-99).

In anderen Städten und Ortschaften Ecuadors:

  • er baute Häuser und Kapellen in Tarqui und Cojitambo;
  • er arbeitete einige Monate mit am Bau der Kirche der Redemptoristen in Riobamba (1873);
  • er baute den Turm der Kirche von Cañar und die Friedhofskapelle;
  • er baute das Kolleg von der Vorsehung in Azogues;
  • er baute das Kolleg der Dominikanerinnen in Gualaceo.

Bauwerke für soziale und profane Zwecke in Cuenca und Umgebung:

  • er leitete den Bau der Schule St.Josef in der Trägerschaft der Hermanos Lasallanos (»christliche Schulbrüder«);
  • er leitet ferner den Bau der Schule der Hermanas de la Caridad (»Schwestern der Nächstenliebe«);
  • für die Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis baute er den Brunnen und das dazugehörige Laufrad;
  • er arbeitete mit beim Bau des Waisenhauses und des Krankenhauses;
  • er errichtete das Krankenhaus von Gualaceo;
  • der Familie Ordoñez baute er ein Haus mit Torbogen und Säulenvorbau;
  • für zahlreiche Wohn- und Verwaltungsgebäude erstellte er Pläne;
  • er renovierte alte Häuser;
  • er plante Straßen und Wasserleitungen;
  • er übernahm 1884 die Leitung des Brückenbauamtes und baute die Brücke über den Sayausi zwischen Capuli und Surucuchu, über den Burgay, ferner die Brücke von Rumihurco und die bei Charasol; vier Brücken der Panamerikana (1886), nördlich und südlich von Chuquipata (Loyola), das Mauerwerk von Machangara und Salado und weitere Brücken.

Die baulichen Leistungen von Bruder Johannes Stiehle fanden nicht nur Anerkennung bei seinen Ordensbrüdern, sondern brachten ihm auch die Wertschätzung weiter Kreise der Bevölkerung. Sein fachmännischer Rat und sein tatkräftiges Mitwirken bei der Renovierung von Häusern, die als Folge von Erdbeben oder altersbedingt baufällig geworden waren, liegen ihn im Volksmund unter dem Namen »medico de las casas« (»Häuserdoktor«) bekannt werden. Diese Bezeichnung geht zurück auf einen Scherz von Gabriel Arsenio Ullauri.