Gemeinschaft zur Förderung des missionarischen Werkes von Bruder Johannes Baptista Stiehle CSsR. e.V.   © 2006ff

Anläßlich des Ersten Vatikanischen Konzils baten zwei Bischöfe aus Ecuador den Generaloberen der Redemptoristen um Missionare. Auf diesen Wunsch hin, der vor dem Hintergrund eines ausdrücklichen Ersuchens des Präsidenten García Moreno vorgetragen wurde, sandte P. Desurmont, Provinzial der französisch-schweizerischen Provinz, erstmals 1870 mehrere Patres über das Meer. Kolumbien, Chile und Peru entstehenden Missionsstationen wurden zur pazifischen Vizeprovinz zusammengefaßt.

Die Herausforderung einer Missionierung der Neuen Welt dürfte P. Desurmont nicht ungelegen gekommen sein, schließlich war er es, der sich mit großem Engagement der aus dem Elsaß vertriebenen Ordensangehörigen annahm und Zufluchtsorte in der Schweiz (Uvrier) und Holland (Stratum und Dangen) errichtete. Eine mit der Übersiedlung gewiß auch verbundene Hoffnung auf Frieden und leichtere Lebensbewältigung als im Elsaß hat sich kaum erfüllt. Die Geschichte Ecuadors und anderer Länder Lateinamerikas ist gezeichnet von Eroberungen und Grenzkonflikten, von Bürgerkrieg und Revolution; die Landesgrenzen Ecuadors wurden seit dem Vertrag zwischen Spanien und Portugal (1777) mehrmals korrigiert und immer zu Lasten Ecuadors (1829, 1830, 1859, 1863, 1916, 1922, 1942). Das Land und seine Bewohner wurden mehrfach heimgesucht von schweren Katastrophen wie Erdbeben (1859, 1866, 1868, 1887) und Vulkanausbrüchen (Thungurahua 1866, Cotopaxi 1877). Die Briefe von Bruder Johannes geben für diese Region interessante Einblicke in die oftmals verworrenen Situationen des letzten Viertels des 19. Jahrhunderts. Sie zeigen die »Pendelbewegung« zwischen einer Akzeptanz und Verfolgung von christlichen Religionsgemeinschaften. Sie berichten auch von der harten »Kunst des Broterwerbs« der Bewohner.