Gemeinschaft zur Förderung des missionarischen Werkes von Bruder Johannes Baptista Stiehle CSsR. e.V.   © 2006ff

Johannes entstammt einer Bauernfamilie aus dem Dorf Dächingen auf der Schwäbischen Alb, das damals zum Königreich Württemberg gehörte. Als 11. Kind wird er am 1. Juni 1829 geboren und am gleichen Tag auf den Namen Johannes Baptista, in der Kirche St. Martin in Altsteußlingen, zu dessen Sprengel das Dorf Dächingen kirchenrechtlich gehörte, getauft.

daechingen dorfmitteDer elterliche Hof zählt zu den wohlhabenden Gehöften seiner Zeit. Der Vater von Johannes, Tiber Stiehle, war Sohn einer Bauern- und Handwerkerfamilie aus Untermarchtal. Diese gaben ihren Sohn dem Ehepaar Johann Koch (74 Jahre) und Maria Anna Koch geb. Ziegler (58 Jahre) kurz nach der Geburt im November 1790 zur Pflegschaft und später zur Adoption; Mutter und Stiefmutter von Tiber waren Schwestern. Die Freigabe zur Adoption und die Annahme an Kindes statt geschah offenbar mit dem Einverständnis beider Familien. Eine noch heute lebendige mündliche Überlieferung weiß zu berichten, wie das Kind Tiber Stiehie bei Kälte und Schnee, nur in einem Tuch eingewickelt, nach Dächingen getragen wurde; daheim in Untermarchtal war das Haus abgebrannt. Die Pflegschaft eines Neffen kam dem Ehepaar Koch nicht ungelegen. Kinder konnten sie nicht mehr bekommen; sie hatten lediglich eine Tochter. Diese war längst mit Johann Geiselhardt verehelicht und nach Untermarchtal verzogen; eine Übernahme des elterlichen Hofes kam für sie nicht in Frage. 1812 überschrieben die Eheleute Koch an »ihren Pfleg- und Adoptivsohn Tiber Stiehle ihr von allergnädigster Herrschaft als Erblehen erhaltene Behausung, Scheuer, Hofraithe, Garten und zu derem Hof gehörenden Feldbau ... «

Aus der Ehe Tiber und Anna Maria Stiehle gehen 16 Kinder hervor. Fünf Kinder sterben bereits im ersten Lebensjahr; drei davon in den Hungerjahren 1817 und 1821. Aus der Kindheit von Johannes ist nicht viel überliefert. Als Kind ist er einmal in ein Feuer gefallen und mit schweren Brandverletzungen nur knapp dem Tod entronnen; Johannes erinnert an diesen ihm unvergessen gebliebenen Vorfall im Brief vom 4. Januar 1895 an seinen Bruder Anton.

Von seinem siebten Lebensjahr an besucht Johannes die Volksschule in Dächingen. Der Chronist P. Henricus-Maria Hamez (1899) konnte in Erfahrung bringen, daß sich Johannes sorgfältig »mit der Kirchengeschichte, dem Religionsunterricht, dem Lesenlernen und dem Rechnen beschäftigte ... (und) alljährlich mit dem den jungen Schülern in Aussicht gestellten Preis ausgezeichnet zu werden verdienten.

P. Hamez erwähnt auch eine Äußerung des Lehrers, der zu seinem Schüler folgende Wertung abgab.- »Der Junge ist derartig gut, von Natur aus ernsthaft, von starkem Gedächtnis, von lebhaftem Verstand; mit dem Lernen in einzigartiger Weise beschäftigt überragte er die anderen Schüler bei weitem, denen er ebenfalls nur die besten Beispiele der Reinheit der Sitten vor Augen stellte. Weiche Lebensweise er auch wählen mag, ich sage voraus, daß er darin herausragend sein wird.«

Statt seinen Eltern bei den Erntearbeiten zu helfen, geht er des öfteren in die Schreinerwerkstatt seines um zehn Jahre älteren Bruders Martin. Der Vater kommentiert. »Immer ist er dort und schnitzt Herrgöttle«.

Entsprechend seinen Neigungen und pfarrkirche daechingen wallfahrtbild Fertigkeiten beginnt Johannes 1842 eine Schreinerlehre, vermutlich in Oberstadion oder Kirchbierlingen. Als 1847 die alte Wallfahrtskapelle im Ried (Dächingen) abgebrochen wird, ist es der junge Schreinergeselle Johannes der die Altäre abbaut, restauriert und in der neuen Dorfkirche in Dächingen wieder errichtet. Zusammen mit seinem Bruder Martin fertigt er 1849 für diese Kirche auch die Kirchenbänke an.

Nach erfolgreicher Beendigung der Schreinerlehre ergreift Johannes einen weiteren Beruf. Er erlernt das Schmiedehandwerk. Bis 1850 arbeitet er bei einem Schmied, vermutlich in Öpfingen. Dieser ist von der Persönlichkeit und den handwerklichen Fertigkeiten seines Gesellen so beeindruckt, daß er seiner einzigen Tochter »keinen, außer seinen Gesellen zum Bräutigam« geben will.

Einer mündlichen Überlieferung von Verwandten zufolge hält der Vater Tiber Stiehle seinem Sohn Johannes ein Anwesen an der Ziegelstraße in Dächingen bereit, das für Hausstand und Werkstatt genügend Raum hat. Doch es sollte anders kommen.