Gemeinschaft zur Förderung des missionarischen Werkes von Bruder Johannes Baptista Stiehle CSsR. e.V.   © 2006ff

Johannes ist von der tiefen Religiösität seiner Mutter geprägt. Ihre tägliche Arbeit richtete sie so ein, daß sie jeden Tag die hl. Messe besuchen konnte, meistens im Nachbardorf Frankenhofen. Als Kind begleitet Johannes sie oft zum Gottesdienst. Seine frühen Werke der Schnitzerei, die er in der Werkstatt seines Bruders anfertigt, sind Kruzifixe. Aus der Gesellenzeit in Öpfingen und Kirchbierlingen (1848 - 1850) wird berichtet, daß er seinen Mitarbeiter Mathias Rehm zu einem frommen Leben bekehrt. Der religiöse Eifer und die Tugendhaftigkeit des jungen Schreiners und Schmieds fallen auf. 1850 sucht Joseph Köble aus Obergriesingen die Begegnung mit ihm.

Johannes spricht auch mit seinem Beichtvater und mit Stephan Schneider, Vikar in Kirchbierlingen, über einen möglichen Ordenseintritt; dieser aber, wie Johannes selbst berichtet, rät ihm nicht zu »je mehr ich der Welt einen Scheidebrief senden wollte, desto mehr widersetzte sich jener, obwohl er gut war und vom Eifer um die Seelen entflammte, meinen Wünschen.«

Die Entscheidung fällt wohl in den Sommermonaten des Jahres 1850. Damals hält sich der gebürtige Lauteracher und Redemptorist Pater Josef Arnold aus Teterchen/Elsaß zur Regelung einer Nachlassangelegenheit in seiner Heimat auf. Den Aufenthalt verbindet er mit Missionspredigten in Untermarchtal. Diese Tage, die er in Form von Besinnung und religiöser Unterweisung gestaltet, finden großen Anklang; auch Johannes Stiehle, sein Beichtvater und Vikar Stephan Schneider aus Kirchbierlingen nehmen teil. Zweifellos haben diese Tage den Charakter der damals üblichen Volksexerzitien.

Die Redemptoristen haben sich, getreu dem Auftrag ihres Ordensgründers, des Hl. Alfons Maria von Liguori, um die Volks- und Haus- missionen verdient gemacht. Von 1843 - 1873 finden in der süddeutschen Provinz 721 Missionen und 160 Nachmissionen der Redemptoristen statt.

Der Missionsplan von Untermarchtal hält sich ganz an das übliche Schema: Frühlehren, Unterweisung und Abendpredigten über Sünde, Tod, Gericht und Buße."  

bjs ordensmannDer Ordenschronist P. Hamez geht in seinen Ausführungen auf Inhalte der Missionspredigten von P. Arnold ein »Freundlich das Nützliche mit dem Heilsamen verbindend, zeigte er, daß alles unter der Sonne vergänglich ist, daß der Tod bevorsteht, daß Tag und Stunde des Todes ungewiß; er rühmte das Glück des Ordensstandes und pries die den Nachfolgern des Heiligsten Erlösers versprochenen großen Dinge.«

Der Gedanke an den Ordenseintritt in die Kongregation der Redemptoristen hat sich für Johannes nun inhaltlich gefüllt; entscheidende Gespräche werden noch in Untermarchtal geführt. Problernatisch erscheint die Aufnahme in die deutsche Provinz; einer Aufnahme in die französische Provinz, vermittelt durch P. Leopold Ottmann aus Bischenberg, steht nichts im Wege. Im Oktober 1850 erhält Johannes die Nachricht, »daß er zugelassen sei und, sobald er könne, zum Kloster Teterchen kommen solle.«"

Am 26. Oktober 1850 schreibt Johannes seinen Eltern, Geschwistern und Freunden einen Abschiedsbrief; drei Tage später bricht er auf nach St. Nicolas de Port, wo er sich auf den Beginn des Noviziats in Teterchen/Elsaß vorbereitet. Am 28. Dezember nimmt er im Kloster Teterchen sein Ordensgewand feierlich in Empfang.

Es ist noch anzumerken, daß kurze Zeit später auch Vikar Stephan Schneider der Kongregation der Redemptoristen beitritt; 1866 folgt ihm Joseph Köble nach Teterchen in den Orden.